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Lenos Verlag
Ibtisam Azem
Das Buch vom Verschwinden
Roman
Aus dem Arabischen
von Joël László
Der Übersetzer
Joël László, geboren 1982 in Zürich. Studium der Nahostwissen-
schaften und der Geschichte. Er lebt als freier Autor und Überset-
zer in Basel. Längere Aufenthalte in Kairo sowie wissenschaftliche
Publikationen zu neuerer türkischer und ägyptischer Geschichte.
Seine eaterstücke und Hörspiele wurden mehrfach ausgezeichnet.
Zur Erleichterung der Aussprache arabischer Namen wurden in der
Übersetzung betonte lange Silben mit einem Zirkumex (
^
) verse-
hen.
Der Übersetzer dankt der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia für
die Unterstützung.
Titel der arabischen Originalausgabe:
Sifr al-Ikhtifâ
Copyright © 2014 by Ibtisam Azem
Erste Auflage 2023
Copyright © der deutschen Übersetzung
2023 by Lenos Verlag, Basel
Alle Rechte vorbehalten
Satz und Gestaltung: Lenos Verlag, Basel
Umschlagfoto: Marc Comley
Printed in Germany
ISBN 978 3 03925 027 1
Für Tata Rasmijja.
Für Sidu Muhammad, Ichlâs, Abla und Salîm.
Für alle Jaaner und Jaanerinnen.
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Alaa
Mutter eilte mit zwei verschiedenen Schuhen aus dem
Haus. Ihre Locken hatte sie mit einem schwarzen Haar-
band festgezurrt, so dass die Panik sich in ihrem Ge-
sicht noch schärfer abzeichnete und ihre blauen Augen
grösser wirkten. Das weisse Hemd quoll ihr auf der ei-
nen Seite wild aus dem grauen Rock. Ich folgte ihr. Sie
schien wie von Sinnen, wie sie durch die Strassen des
Adschami-Viertels hetzte und nach Grossmutter suchte.
Als wolle sie sich selbst einholen, rannte sie schneller
und schneller. Als sie meine Schritte hinter sich hörte,
drehte sie sich um. Ihre Arme waren dünn wie ein Be-
senstiel.
Sie fuchtelte und gestikulierte: »Geh heim für den
Fall, dass sie zurückkommt!«
»Papa ist doch zu Hause«, erwiderte ich.
»Dann geh zu ihrem Haus und danach zum al-Saa-
Platz. Such dort weiter!«
Mutter lief von Tür zu Tür, sie wirkte wie eine ver-
loren zappelnde Ameise. Als sie auf die Türen einzu-
schlagen begann, bekam ich Angst, dass sie sich die
Hand bricht. Ohne Rücksicht auf Verluste hämmerte
sie drauflos. Sie grüsste niemanden, sondern fragte so-
gleich nach Grossmutter. Wenn auf ihr Klopfen keine
Antwort kam, atmete sie tief durch und brach vor der
verschlossenen Tür in Schluchzen aus. Worauf sie zum
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nächsten Haus ging und sich dabei mit den Ärmeln Trä-
nen aus dem Gesicht wischte.
Mutter ging voran, und ich folgte ihr wie ein Kind.
Ich hatte ganz vergessen, wie schnell sie ist. Mit vier-
zig waren mir aus der Kindheit nur Erinnerungen ge-
blieben, die plötzlich sehr weit entfernt schienen. Ich
fürchtete, dass sie sich weh tut, nie zuvor hatte ich sie
so verstört gesehen. Ab und zu drehte sie sich zu mir
um und wunderte sich, dass ich ihr noch immer folgte.
Weshalb ich nicht direkt neben ihr ging und stets ein,
zwei Schritt Abstand hielt, weiss ich nicht. Mir fehlte
die Kraft, diese Frau meine Mutter direkt zu kon-
frontieren. Ich bat sie, nach Hause zu gehen, und ver-
sprach, ganz Adschami Haus für Haus nach Tata abzu-
suchen. Wieder fuchtelte und gestikulierte sie, als wäre
ich eine lästige Fliege, mit der sie in ihrem gerechten
Zorn nichts zu tun haben wollte. Und sie kämpfte sich
weiter, von einem Haus zum nächsten. Die Häuser je-
doch spuckten sie aus.
Etwa eine Stunde zuvor war ich im Haus meiner El-
tern eingetroen, um den Sonnenuntergang von Jaa
aus zu sehen. Ich besuche sie zweimal pro Woche, ge-
wöhnlich zwei Stunden vor Sonnenuntergang. Sobald
wir alle müde geworden sind, fahre ich zurück in meine
Wohnung in Tel Aviv. Tata war vor sechs Monaten zu
meinen Eltern gezogen. Mutter hatte darauf bestan-
den, nachdem sie sie bewusstlos mit einem verrenkten
Fuss im Bad aufgefunden hatte. Grossmutters Haus in
Adschami liegt an der al-Kunt-Strasse, nicht mehr als
zehn Gehminuten entfernt. al-Kunt ist der alte Name,
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Tata hat auf ihm bestanden, auch wenn ich an ihrem
Briefkasten »Schaarei-Nikanor-Strasse« angeschrieben
habe. Doch was rede ich, Tata hatte nicht darauf bestan-
den, diesen Namen zu verwenden, es war ihr Name
so hiess diese Strasse. Als ich ein Kind war, hörte sich
al-Kunt sonderbar an. Doch irgendwann verstand ich,
dass al-Kunt (Conte) ein Titel ist, den der Vatikan dem
Palästinenser Talmâs für seine grosszügigen Spenden
verliehen hatte, dank denen die maronitische Kirche ge-
baut werden konnte. Hier hatte er gewohnt, und so war
die Strasse nach seinem Ehrentitel benannt worden. Seit
Tata bei meinen Eltern wohnte, bestand sie darauf, je-
den Morgen an ihrem alten Haus die Rosen zu giessen.
Mutter bestand ihrerseits darauf, sie zu begleiten, und
abends vor Sonnenuntergang wurde Tata entweder von
ihr oder von Vater wieder abgeholt. An diesem Mor-
gen hatte Tata vorgegeben, zu müde zu sein. Ungefähr
eine Stunde nachdem Mutter weggegangen war, verliess
sie das Haus auf eigene Faust, wie ich von Vater später
erfuhr. Ein Umstand, der mich erstaunte, jedoch nicht
dermassen in helle Panik versetzte wie Mutter, als sie
von ihren Erledigungen und einem Besuch bei einer
Freundin heimgekehrt war.
Der Tag verprasste seine letzten Minuten. Ich hatte
genug davon, Mutter hinterherzurennen, also liess ich
sie ziehen und eilte zum al-Saa-Platz, den Tata so liebte.
Tata. So nannten wir sie, weil sie das andere Wort für
Grossmutter Sitti nicht mochte. Schon nach we-
nigen Metern machte ich kehrt. Dort würde sie nicht
sein, am al-Saa-Platz konnte man sich nirgends in Ruhe
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hinsetzen und Jaa betrachten. Sie musste am Meer
sein, und zwar nicht an dem Ufer, das bei Adschami
liegt, sondern am Ufer nahe der Altstadt. Sie liebte die-
sen Ort, weshalb, weiss ich nicht. Also ging ich Rich-
tung Meer, zum Hügel, auf dem Tata so gern sass. Um
möglichst schnell hinzukommen, musste ich durch die
Künstlergassen in der Altstadt, ich hasste diesen Weg.
Würde ich sie nden? Würde ich Tata antreen? Mein
Herz verkrampfte sich. Mit stockendem Atem schlän-
gelte ich mich durch die engen Gassen zwischen den
Puppenhäusern, so nenne ich die Galerien der Künstler.
Auf den Stufen der alten Gassen fühlte ich plötzlich ei-
nen Stich in der Brust, als würde sich die Lunge den
Gassen gleich verengen. Als Kind hatte ich hier immer
meinen eigenen Schatten beobachtet, wie er sich zwi-
schen den anderen Schatten bewegte. Manchmal ver-
liess er mich, manchmal verlor ich die Kontrolle über
ihn, gerade so, als gehöre er einer anderen Person. Du
bist verrückt, sagte ich mir und behielt das Geheimnis
jahrelang für mich. Bis ich einmal mit Tata unterwegs
war und sie bat, einen anderen Weg als den durch die
Altstadt zu nehmen. Sie lachte und küsste meinen Kopf.
»Keine Angst, Liebling«, meinte sie. »Alle Leute, die in
Jaa geblieben sind, sehen Geister neben sich, wenn
sie durch die Altstadt gehen. Sogar die Juden geben zu,
dass sie in der Nacht Stimmen hören aber wenn sie
nachschauen, ist da niemand.«
Ihre Geschichte half nicht gerade, meine Ängste zu
überwinden. Im Gegenteil, sie ergrien von mir Besitz
und wuchsen noch an, je älter ich wurde. Ich gelangte an
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den grossen Platz, der aufs Meer geht, das teils von der
Mar-Butrus-Kirche und teils von der al-Bahr-Moschee
verdeckt wird. Das Meer überrascht mich jedes Mal aufs
Neue, wenn ich endlich den Fängen der Altstadt ent-
kommen bin. Ein rauer Wind berührte meine trocke-
nen Lippen, wie in der Wüste. Das Meer breitete sich
vor mir aus, und doch fühlte ich mich wie in der Wüste.
Ich hob den Kopf und blickte gegen Norden über Jaa
hinweg; das Licht wurde von den Glasfassaden der an-
deren Stadt zurückgeworfen und drang mir in die Au-
gen. Das Licht der Weissen Stadt, der Stadt aus Glas.
Ich stieg den kleinen Hügel neben der Mar-Butrus-
Kirche hoch. Ich weiss nicht, weshalb ich plötzlich das
Gefühl hatte, die Festungskirche sei so erschöpft wie
ich. Festungskirche. Diesen Namen mag ich lieber als
Mar Butrus, ich stelle mir vor, dass das Wort »Festung«
der Kirche zusätzlichen Schutz verleiht.
Und dann sah ich sie!
Sie sass auf einer Holzbank und schaute aufs Meer.
Mir entfuhr ein Schrei, Herz und Stimme tanzten vor
Freude. »Tata Taaataaaa Tata!« Ich rannte zu ihr
hin und schaute in ihr braunes Gesicht, das ganz in den
Anblick des Meeres versunken war. Aus ihrem Kopftuch
hatte sich eine schwarze Locke gelöst, als wollte sie mit
dem Wind tanzen. Auf ihren Lippen lag ein leichtes Lä-
cheln. Ich setzte mich neben sie und ergri ihre Hand.
»Du hast uns zu Tode erschreckt!« Ihre Finger waren
trocken und wie aus Holz, obwohl ihr Körper nicht kalt
war. Ich berührte sie an der Schulter, und sie sank ein
wenig zur Seite. Noch einmal fasste ich sie mit zittern-
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den Händen an der Schulter an. War sie vielleicht ohn-
mächtig geworden? Ich legte mein Ohr an ihre Brust,
um zu prüfen, ob sie atmete. Es schnürte mir die Kehle
zu, als müsste ich ganz Jaa auf einmal runterschlucken.
Ich ngerte mein Telefon aus der Tasche, um einen Ret-
tungswagen zu rufen. Die Worte wollten mir kaum aus
dem trockenen Mund kommen. All dieses Wasser
und mein Mund vollkommen ausgetrocknet.
Sie sass auf der alten Holzbank und schaute aufs
Meer mit einem Blick, der mir plötzlich ausdruckslos
vorkam. Um sie herum wogten Kinderstimmen und
Geschrei. »Kinder sind die Vögel des Paradieses«, pegte
sie zu sagen. Worauf Mutter erwiderte: »Gott bewahre
uns vor solchen Vögelchen und solchem Lärm wird
man denn nicht mal im Paradies seine Ruhe haben?«
Niemand hatte ihren Tod bemerkt. Sie war gestorben,
wie sie es sich gewünscht hatte: entweder am Meer oder
im Bett. Immer hatte sie gehot, dass sie auf nieman-
den angewiesen sein würde. »Gott, sorge dafür, dass ich
niemandem zur Last werde«, hatte sie gebetet. »Herr,
nimm mich zu dir, solange ich gesund bin!« Ich rückte
näher und umarmte sie. Vielleicht war es auch sie, die
mich umarmte. Ich spürte, dass dies unser letzter unge-
störter Moment sein würde, bevor der Rettungswagen
eintraf. Ich roch die mit Jasmin parfümierte Seife. Es
war ihr Lieblingsgeruch, in unzähligen Flakons überall
im Haus hatte sie sich mit ihm umgeben. Ich vergoss
keine einzige Träne. Vielleicht weil ich noch gar nicht
begrien hatte, was passiert war. Vielleicht weil ich
nicht glauben wollte, dass sie tot war. Tot. In diesem
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Moment hatte das Wort keine Bedeutung ausser dem
sonderbaren Gefühl einer überwältigenden Leere. Ich
rief Vater an. Er sagte, Mutter sei heimgekommen und
halb verrückt vor Sorge. Wir verständigten uns darauf,
dass sie mir ins Krankenhaus nachfahren sollten.
Bevor Tata aus dem Haus gegangen war, hatte sie
noch ein Bad genommen. Als ginge sie an ihr eigenes
Begräbnis.
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2
Alaa
»Ich habe allein gelebt«, pegte sie zu sagen, obwohl ihr
Haus fast immer voller Gäste gewesen war. So jedenfalls
habe ich es in Erinnerung. Doch was ist die Erinnerung
anderes als ein dicker Nebel, der sich mit zunehmendem
Alter entweder verüchtigt oder ausbreitet. Ich habe nie
verstanden, weshalb sie von sich selbst so oft in der Ver-
gangenheitsform sprach. Sogar wenn sie lachte und
sie liebte das Lachen wie das Leben –, sprach sie von
sich selbst in der Vergangenheitsform. »Ich habe immer
gerne gelacht. Himmel, was habe ich gerne gelacht!«
Tata ist tot.
Bei dem Gedanken schaudert mich. Tata ist tot. Ein
Glück, dass sie bis zum Schluss auf niemanden angewie-
sen war. Trotzdem ist sie tot.
Sie ist tot.
Und hat ein Bad genommen, bevor sie aus dem Haus
ging!
Als machte sie sich auf den Weg zur eigenen Beerdi-
gung.
Auf die Bank am Meer hat sie sich gesetzt. In einem
hellvioletten Plisseerock, darüber ein schwarzes Ober-
teil aus Chion mit einer Bluse im selben Ton wie der
Rock. Ihre kleine schwarzglänzende Tasche hatte sie zu
Hause gelassen. Oder hatte man sie ihr geklaut? Wie
war sie überhaupt hierhergekommen? Das Haar war
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mit einem schwarzen, schwach durchscheinenden Tuch
bedeckt. Nie hat sie ihr Haar weiss werden lassen, stets
war es schwarz gefärbt. Auch mit über siebzig hat sie
sich noch die Fingernägel gemacht und darauf geachtet,
dass der Lack zur Kleidung passt. »Wir sind aus al-Man-
schijja, wir sind Leute des Meeres niemand auf der
ganzen Welt liebt das Leben so sehr wie wir«, pegte sie
zu sagen und machte sich über alle lustig, die nicht auf
sich achtgaben. Als wüssten nur Städter und Leute aus
Jaa sich ordentlich zu kleiden.
Sie sass oft am Meer. In Jaa sterben und auf keinen
Fall weggehen, so hatte sie es für sich entschieden. Meis-
tens sass sie am arabischen Strand bei Adschami. Den
anderen Ort jedoch, wo ich sie aufgefunden habe, liebte
sie noch mehr, besonders die leicht erhöhte Holzbank.
Weshalb, habe ich nie herausgefunden. Und am Meer ist
sie also gestorben. In Jaa. Jedes Mal, wenn der Name
der Stadt el, nahm sie einen tiefen Atemzug, als hätte
die Stadt sie betrogen und ihr Herz in Flammen gesetzt.
Jetzt, da ihr toter Körper aufs Wasser blickte, fühlte ich
jäh, wie viele Fragen ich ihr noch hatte stellen wollen.
Der Tod und die Zeit sind mir zuvorgekommen.
»Wie oft kann man sich denn wiederholen? Ich
schwöre bei Gott, manchmal werde ich meiner selbst
überdrüssig«, sagte sie mit einem Lächeln, wenn wir sie
baten, eine ihrer alten Geschichten zu erzählen.
Die Sehnsucht nach ihr ist wie eine dornige Rose.
Mir el auf, dass sie mit ihrer rechten Hand etwas
umklammerte. Als ich ihre Faust önete, sah ich das
Perlencollier. Einige Perlen hatten sich vor langer Zeit

Ibtisam Azem
Das Buch vom Verschwinden

Roman

Aus dem Arabischen von Joël László


E-Book
ISBN 978-3-03925-705-8
Seiten ca. 271
Erschienen 22. Mai 2023
€ 15.99

Mit diesem ungemein lesenswerten Roman kann Ibtisam Azem das Unglück der Besetzung Palästinas durch Israel für uns nicht ungeschehen machen. Aber elegant und meisterhaft lässt sie uns erkennen, dass viel Verständnis und Einfühlungsvermögen gefordert sind; sie weist uns mit diesem bedeutungsvollen Buch den Weg, den wir alle gehen müssen.
— Richard Ford

Was wäre, wenn um Mitternacht plötzlich die gesamte palästinensische Bevölkerung Israels auf unerklärliche Weise verschwände, als ob sie von Ausserirdischen entführt worden wäre?
Ariel, der Journalist, und Alaa, der Freelance-Kameramann, leben im selben Wohnhaus in Tel Aviv. Beide sind sie Israelis, Ariel jüdischer und Alaa palästinensischer Herkunft, beide lieben ihre Heimatstadt, in der sie aufwuchsen und Freunde geworden sind. Eines Morgens sind im ganzen Land die Palästinenserinnen und Palästinenser verschwunden. Der gesellschaftliche Verlust ist sofort spürbar, die Verwirrung riesengross. Es fahren keine Busse mehr, im Spital fehlen Ärzte, der beste Hummusladen bleibt geschlossen. Handelt es sich um einen Generalstreik, einen geplanten Angriff? Oder gar um ein Wunder Gottes zur Rettung Israels? Auf der Suche nach Alaa findet Ariel in dessen Wohnung ein rotes Notizbuch, die Lebensgeschichte von Alaas Grossmutter. Er nimmt sich vor, die Aufzeichnungen ins Hebräische zu übertragen und eine Chronik der Zeit vor dem Verschwinden zu verfassen.
Ibtisam Azem gelingt ein eindrückliches, originelles Plädoyer wider das Vergessen und für ein friedliches Zusammenleben.

Pressestimmen

Alle Palästinenser, plötzlich verschwunden? Ibtisam Azem wagt ein verrücktes Gedankenexperiment. Und liefert damit einen erstaunlichen Kommentar zur Lage in Israel.
— Moritz Baumstieger, Süddeutsche Zeitung
In Israel sind die Palästinenser gezwungen, ihr Gedächtnis zu verleugnen, sie haben dort keine Zukunft – und eines Tages verschwinden sie. Dieses unerhörte Geschehen steht im Zentrum des Romans und gibt ihm nicht nur seinen Titel, sondern auch seinen tiefsten Sinn.
— Jakob Hessing, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Ibtisam Azem beherrscht nicht nur die bitter-surreale Satire der Auflösung des eigenen Volks, auch sanftere Töne gelingen. … Es gelingt ihr auch literarisch überzeugend, die Geschichte und Gegenwart des oft ausweglos erscheinenden aktuellen Konflikts in beeindruckend vielen Facetten darzustellen.
— Hans-Peter Kunisch, Westdeutscher Rundfunk
Azem zeichnet in kleinen Episoden eine Gesellschaft, in der jüdischstämmige und arabischstämmige Israelis wenig voneinander wissen. … Ihr Roman ist ein Mosaik aus Reflexionen, eine Einladung zum Dialog.
— Rolf Brockschmidt, Der Tagesspiegel
In ihrem Roman trifft Ibtisam Azem unseren Nerv mit einer Fiktion, die ebenso fasziniert wie bewegt und die die moralische Kehrtwende aufzeigt, zu der Menschen fähig sind, wenn sie mit dem Unerklärlichen konfrontiert werden.
— Marcia Lynx Qualey, Qantara.de
Mit einem ungeheuren Anspielungsreichtum … entfaltet Ibtisam Azem ein Panorama der mentalen Verfasstheit ihres Landes und bringt es in der Geschichte des jüdisch-palästinensischen Freundespaars auf den Punkt.
— Martin Schönemann, literaturkritik.de
Der Autorin gelingt ein seltenes, auch sprachlich vielschichtiges Leseerlebnis.
— Hendryk Proske, Mitteldeutscher Rundfunk
Ibtisam Azem trifft einen wunden Punkt in der Geschichte und Gegenwart Israels. Selbst 75 Jahre nach der Gründung des heute modernen und prosperierenden Staats ist das Zusammenleben zwischen arabischer und jüdischer Bevölkerung von der schweren Hypothek belastet, den jeweils anderen nicht wirklich zu kennen. Ein bewegender Roman, den man nach der letzten Seite nicht so einfach beiseitelegt.
— Katja Dorothea Buch, Schneller-Magazin
Ibtisam Azem erfindet in ihrem Roman ein hochpolitisches Szenario, von dem ausgehend sie über Vergangenheit und Zukunft Israels nachdenkt. Wer in dieser Gesellschaft ist sichtbar, wer unsichtbar? Welche kleineren Formen des Rückzugs, Verschwindens lassen sich historisch belegen? Und wie kann die Zukunft des Landes aussehen?
— Marie Schoeß, Bayerischer Rundfunk
Fast zehn Jahre hat das deutsche Lesepublikum auf die Übersetzung dieses geistreichen Buches warten müssen. An Aktualität hat Azems Roman derweil nichts eingebüsst.
— Ruben Schenzle, zenith
Die surreale Satire entwirft ein hochpolitisches Szenario und gewinnt durch den Hamas-Angriff und den Gazakrieg noch mehr Brisanz.
— Alexander Sury, Der Bund