LENOS
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Lenos Verlag
Werner Rohner
Was möglich ist
Roman
Der Autor dankt der Stiftung Lydia Eymann, Langenthal, dem Litera-
turforum Schwaz sowie dem Ressort Literatur und der Literaturkom-
mission der Stadt Zürich für die Unterstützung.
Der Verlag dankt der Fachstelle Kultur des Kantons Zürich sowie dem
Ressort Literatur und der Literaturkommission der Stadt Zürich für die
Unterstützung.
Der Lenos Verlag wird vom Bundesamt für Kultur mit einem Struktur-
beitrag für die Jahre 2016–2020 unterstützt.
MIX
Papier
FSC
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C083411
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Erste Auflage 2020
Copyright © 2020 by Lenos Verlag, Basel
Alle Rechte vorbehalten
Satz und Gestaltung: Lenos Verlag, Basel
Umschlagbild: Lotte Laserstein, Liegendes Mädchen auf Blau, 1931
(Ausschnitt). Courtesy DAS VERBORGENE MUSEUM, Berlin.
© 2020 ProLitteris, Zürich
Printed in Germany
ISBN 978 3 03925 007 3
Für Edith, Vera und Lena,
die im anderen Leben anders heissen
Edith
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Deinen Job müsste man haben wie oft er das schon
gehört hatte, dachte er und konzentrierte sich gleichzeitig
darauf, seine Arme durchzustrecken, die eine Hand auf der
anderen; sein ganzes Körpergewicht legte er in den Hand
-
ballen und stiess ihn gegen die Brust der Frau. Fünfzehn-
mal schnell hintereinander. Dann drückte er ihren Kiefer
hoch und blies ihr zweimal kräftig in die Nase.
Was er denn könne, hatte die Frau auf dem Arbeitsamt
gefragt, ohne von ihrem Bildschirm aufzuschauen.
Englisch, Französisch, ein wenig Hocharabisch, Katala
-
nisch verstehe er ganz gut, Spanisch halt und vieles andere
auch ein bisschen.
»Gut«, sagte Frau Gmür.
Er nickte, nicht ohne Stolz.
»Können Sie das auch schreiben?«
»Mit Fehlern«, gab er wahrheitsgemäss an.
»Was können Sie noch?«
»Kochen.«
»Haben Sie dafür ein Zeugnis?«
Er schüttelte den Kopf.
»Gut«, sagte sie wieder und liess keinen Zweifel daran,
dass das nicht reichte. »Sonst noch was?«
»Reisen.«
»Wie haben Sie sich denn all diese Reisen verdient?«
»Bin immer billig gereist.«
»Da steht, Sie haben auf dem Bau gearbeitet, auf dem
Schi, als Dachdecker
»Das geht eben nicht mehr. Wegen dem Rücken da
-
für hab ich auch ein Zeugnis.«
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Sie starrte bloss auf seinen Lebenslauf, der vor ihr lag,
und sagte nach einer Weile wieder: »Gut.«
Dann schaute sie ihm zum ersten Mal in die Augen.
Sie sassen einander gegenüber, zwischen zwei Stellwän
-
den in einem Grossraumbüro. Auf einen Fünfundvier-
zigjährigen ohne Ausbildung hat die Welt nicht gewartet,
schien ihr Blick zu sagen. Und eigentlich hatte er ja auch
wieder weggewollt; wobei er sich gleichzeitig dabei ertappte,
wie erleichtert er insgeheim war, diesen Winter kein Geld
dafür zu haben. Schon seit einigen Jahren spürte er: Das
Reisen war immer weniger Bedürfnis als einfach eine Ge
-
wohnheit, wie für die meisten Menschen wohl das Bleiben.
»Sie haben gesagt, Sie gehen gerne schwimmen?«, fragte
Frau Gmür weiter.
»Regelmässig, wegen dem Rücken, ja.«
»Gut.«
»Eben nicht so
»Rettungsschwimmer!«, sagte sie und lächelte ihn sogar
an.
»So toll auch wieder nicht.«
»Badmeister. Der Kurs beginnt nächste Woche. Die
Unterlagen lass ich Ihnen zukommen.«
»Ich weiss nicht –«
»Die brauchen immer wen!«, unterbrach sie ihn,
streckte ihm die Hand entgegen, und bevor er noch etwas
sagen konnte, drehte sie sich um und versorgte seinen Le
-
benslauf in einem Hängeregister.
Immerhin am Wasser, hatte sich Christoph gesagt, nach
-
dem er den Rettungsschwimmerkurs und den Winter
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mit viel Johanniskraut hinter sich gebracht hatte und im
Frühling den Job als Badmeister im Freibad Heuried an
-
trat. Und dass er bis Saisonende genug Geld auf der Seite
haben würde, um doch wieder zu verreisen.
Daran dachte er nun wieder, um nicht in Panik zu
geraten, zählte Länder und Städte auf, in denen er noch
nie gewesen war, während er neben dem menschenleeren
Schwimmbecken kniete und weiter sein ganzes Gewicht
gegen den Brustkorb der Frau fallen liess – und dass er die
Atemmaske hätte holen sollen und der Frau aufsetzen. Es
wäre einfacher damit, dachte er, und an Aids – diese Angst
war nie mehr ganz von ihm gewichen.
Und jetzt die Scham darüber, dass er an sich selbst,
nicht an die Frau dachte.
Dann hörte er plötzlich eine Rippe brechen – ein Rau
-
nen ging durch die umstehenden Leute –, dann noch eine.
Es war dieselbe Frau, die ihn kurz zuvor nach der Uhr
-
zeit gefragt hatte, wahrscheinlich hatte sie noch was vor-
gehabt und er hatte, statt ihr zu antworten, nur auf die
Uhr hinter sich an der Mauer gedeutet.
Wieder ein Geräusch, vielleicht eine weitere Rippe,
vielleicht auch dieselbe ein zweites Mal. »Wenn Sie einem
Menschen das Leben gerettet haben, wird sich niemand
über eine gebrochene Rippe beklagen, und wenn nicht,
auch nicht«, hatte der Ausbildner im Rettungsschwim
-
merkurs mehrmals gesagt, und jedes Mal hatte er gelacht
dabei – Christoph drückte weiter und weiter.
Wenn er wenigstens den Puls der Frau fühlen könnte.
Aber er traute sich nicht, die Herzmassage zu unterbre
-
chen. Wünschte, dass endlich ein Notarzt käme; fürch-
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tete, er könnte die Frau erdrücken, die falsche Stelle, zu
schnell, zu langsam; und immer wieder dachte er, warum
nur war er nicht verreist, kein Geld zu haben hatte ihn
doch noch nie davon abgehalten; und dass er nicht aufhö
-
ren durfte zu drücken. Und ausserdem beunruhigte es ihn,
dass die Leute rundherum leiser wurden. Wenn er wenigs
-
tens wüsste, wie lange er schon tat, was er tat. Seine Knie
schmerzten der Asphalt war hier rauer als gewöhnlich,
damit man nicht so leicht ausrutschte. Und dann plötz
-
lich das Bedürfnis, den Namen der Frau zu kennen, gegen
deren Herz er seine Hände presste. Etwas zu ihr sagen zu
können. »Jetzt aber, jetzt!«, war alles, was er keuchend her
-
vorstiess.
Auf all seinen Reisen hatte er nie wirklich Lebensge
-
fährliches erlebt. Manchmal war es vorgekommen, dass er
im Nachhinein aus der Zeitung erfuhr, wie viel Glück er
gehabt hatte; ein Zugunfall kurz nach seiner Durchfahrt,
Kämpfe oder allgemeines Ausreiseverbot – aber er hatte es
jeweils erst erfahren, als er weit genug weg gewesen war.
Und bis auf Dengueeber war er auch von Krankheiten
verschont geblieben.
Ausgeraubt worden war er ein paarmal, vor allem in
den ersten Jahren. Erbeutet hatten sie nie viel; und der
Schreck und die Wehrlosigkeit hatten ihm weniger zu
schaen gemacht als die Tatsache, dass er es nicht hatte
kommen sehen. Wie ein Tourist hatte er sich gefühlt,
das war damals das Schlimmste für ihn gewesen. Heute
konnte er darüber lachen. Wie er einmal spätnachts in
Nairobi am Strassenrand erschrocken die Hände hochge
-
rissen hatte und die Räuber erst deswegen ihre Pistolen
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gezückt, ihn angeschrien und seine Hände mit Gewalt
runtergedrückt hatten, damit die Vorbeifahrenden keinen
Verdacht schöpften.
Dass er insgesamt Glück gehabt hatte, dachte er, viel
-
leicht zum ersten Mal überhaupt und sofort überkam
ihn wieder jene Scham, so dass er noch stärker drückte.
Wieder eine Rippe, ganz klar dieses Mal, wie in Zeitung
eingewickeltes Glas, auf das man beim Umzug versehent
-
lich tritt.
Die Frau aber zuckte nicht mit der Wimper, während er
auf ihre Brust drückte, blickte bloss auf eine seltsam starre
Weise zur Seite, als wäre es ihr peinlich.
Dass er ihre Augen heute noch sehen könne, eigentlich
schöne Augen, das dunkle Braun kaum von den gewei
-
teten Pupillen zu unterscheiden; so erzählte er es ein paar
Monate später Edith. Und dass er seither erst recht versu
-
che zu verreisen, es aber einfach nicht schae der Arzt
habe gesagt, das sei normal. Worauf Edith ihn lange an
-
schaute und dann nur sagte, sie selbst habe ihr Leben lang
in Zürich gelebt. Hier in Wiedikon.
Es war das erste Mal überhaupt, dass er jemandem
davon erzählte, und er musste nach Worten suchen; das
kannte er sonst nur vom Reden in Fremdsprachen, und
es machte ihn traurig. Es war eine seltsame Traurigkeit,
wie angeworfen, und sie schien weniger mit dem Tod der
Frau zu tun zu haben als vielmehr mit seiner Veränderung
seither, von der er nicht sagen konnte, worin sie bestand.
Trotzdem konnte er nicht aufhören zu erzählen, die Hände
auf dem Stuhl unter die Oberschenkel geklemmt.
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Edith sass nur da, sehr gerade, im Café Uetli, wo sie als
Kellnerin arbeitete und die letzten Stammgäste das Geld
einfach auf den Tischen zurückliessen. Erst als alle gegan
-
gen waren, stand sie schnell auf, schloss die Tür und holte
einen Aschenbecher und Zigaretten, dann setzte sie sich
wieder genau so hin wie zuvor, zündete sich eine an und
nickte; er solle nur weitererzählen.
Für einen Moment war er abgelenkt und dachte, sie
sieht schön aus, und das nicht nur für ihr Alter vor allem
ihr Mund, wenn sie schwieg, die Lachfalten tief eingegra
-
ben auf der Seite –, so dass sie noch einmal nicken musste,
damit er fortfuhr.
Er sprang zum Winteranfang, ohne erzählt zu haben,
was mit der Frau geschehen war Edith liess es zu und
wie lang ihm dieser Winter inzwischen schon vorkam.
Sagte, dass er im Heuried nur befristet angestellt gewesen
sei, und deshalb nicht versichert, und wie er auch sonst
keinen Job nde und immer an die Frau denken müsse.
Gleichzeitig aber nichts über sie wissen wolle. Dass er bis
dahin gern als Badmeister gearbeitet habe, und das wolle
was heissen bei einem wie ihm, der es nie lange am glei
-
chen Ort, schon gar nicht mit der gleichen Arbeit ausge-
halten habe. Der Geruch nach Pommes und die Mädchen
mit den Jungs und die Rentner mit der ledrigen Haut – er
schaute Edith kurz an, ob sie das schon auf sich beziehen
würde, sie war gebräunt und den Jasskarten und wie sie
alle ins Wasser gingen, manche schnell entschlossen, an
-
dere starrten erst ein paar Minuten, als würde es davon
wärmer oder weniger nass, und er, der auf alle aufpasste.
Und dass er abends immer angenehm erschöpft gewesen
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sei. Nichts tun und sich trotzdem konzentrieren, das sei
Schwerstarbeit.
Und dass die Frau weder dick noch gestresst ausgesehen
habe. Sicher habe sie einen guten Job gehabt der Bade
-
anzug. Ja, mit der Zeit lerne man, das Leben der Men-
schen auch an ihrem Badeanzug zu erkennen, am Gang,
daran, was sie mit den Haaren anstellten, wie sie aus dem
Wasser stiegen. An der Schwimmbrille, der Figur und der
Farbe der lackierten Nägel und der Haut. So was habe er
schnell gelernt. Dabei sei er erst vier Monate angestellt ge
-
wesen, der Sommer aber sei schon langsam zur Neige ge-
gangen, mittags noch brütend heiss, doch als es passierte,
sei es vielleicht fünf Uhr gewesen und an jenem Tag für die
Jahreszeit eher schon kühl, vor allem weil noch ein Wind
ging.
Und während er Edith davon erzählte, dachte er, wie
gut sie zuhören konnte. Schon da waren ihm ihre Augen
aufgefallen, die so aufmerksam schauten und deshalb viel
jünger wirkten. Wenn er zu sehr abschweifte, kni sie sie
zusammen, als müsse sie sich stark konzentrieren. Nur
dass sie die Hände immer vor der Brust verschränkte, das
irritierte ihn, aber er konnte nicht mehr aufhören mit dem
Erzählen. Und er dachte, es lag daran, dass er das erste
Mal jemandem davon erzählte; erst lange danach verstand
er, dass es vielmehr an Edith lag. Wie sie zuhören konnte,
gerade eben keine Fragen stellte und doch mehr wissen
wollte. Und dass es ihm damals noch half, dass sie so viel
älter war als er, dass er deshalb besser erzählen konnte
und ihn das später, als er längst verliebt war, daran hin
-
derte, seine Gefühle zu erkennen. All die Frauen vor ihr
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waren jünger gewesen als er, auf eine seltsame Art waren
sie alle um die dreissig geblieben, gut zwanzig Jahre lang,
und es war ihm noch nicht einmal aufgefallen, bis er sich
später dann endlich eingestand, Edith zu lieben.
Doch da im Café Uetli ahnte er davon noch nichts, son
-
dern war einfach froh, endlich erzählen zu können. So-
gar den Namen der Frau sprach er aus. Andrea Dietsche.
Noch Tage nach dem Rettungsversuch hatte er Muskel
-
kater in den Armen gehabt, vor allem in den Schultern,
auch weil er sich so verkrampft hatte. Schon bei der Ret
-
tungsschwimmerprüfung hatte er Blasen an den Händen
gekriegt, aber trotzdem nicht aufgehört, sie gegen den
Gummikorpus zu pressen.
Und dass die Haut der Frau sich weich anfühlte und
heiss, als ob sie die Sonne gespeichert hätte, hatte er an dem
Tag gedacht, vor der Frau kniend, und dass dies ein gutes
Zeichen sei das hatte er da noch geglaubt und weiter
-
gedrückt. Und sich erinnert, wie er als Kind oft allein ins
Schwimmbad gegangen war. Kurz bevor es schloss, tauchte
er jeweils in der Ecke des leeren Sprungbeckens ab, setzte
sich unter Wasser auf den Boden und versuchte, so lange
wie möglich den Atem anzuhalten. Und an die Stille, die
dort unten geherrscht hatte, an die erinnerte er sich auch,
viel stiller als in jedem geschlossenen Raum, aber doch ir
-
gendwie eine hörbare Stille. Und an die Panik jedes Mal,
wenn er nach dreissig Sekunden, später nach einer Minute
die Luft ausblies, nochmals kurz wartete und sich dann
vom Boden abstiess jedes Mal dieselbe Panik, egal wie oft
er es machte, gegen diese atemlose Panik kam er nicht an.
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Dass aber die Frau gar nicht im Wasser gewesen, son-
dern einfach auf der Treppe umgekippt war und ein Mäd-
chen mit einer gelben Taucherbrille auf dem Kopf es gese-
hen und ihn gerufen hatte. Und dass er damals, während
er drückte, gern geschaut hätte, ob das Mädchen noch
dastand, und gleichzeitig hote, dass jemand es an der
Hand genommen und mit ihm weggegangen war. Und
dann hatte er ans Triemli gedacht, während er drückte und
drückte, dass das Spital doch so weit weg nicht war.
Er konnte es später fast nicht glauben, dass es keine
zehn Minuten gedauert haben soll, bis eine Ärztin vom
Triemli da gewesen war. Noch während Christoph presste,
fühlte die Ärztin den Puls am Hals der Frau, obwohl sie es
ihr wohl schon angesehen hatte. Nahm trotzdem noch das
Stethoskop hervor und liess Christoph danach noch sechs-,
siebenmal weiterdrücken, bis sie es aussprach; erst nur: »Ist
gut. Ist ja gut«, und weil Christoph nicht aufhörte: »Sie ist
tot.« Und wie die Stimme der Ärztin klang, als gewöhne
man sich nie an diesen Satz. Dann schaute sie auf die Uhr.
Und er wisse nicht, weshalb er auf all das geachtet habe,
sagte Christoph zu Edith, vielleicht eine Art Schutz, und
er könne noch viel mehr Details aufzählen und das sei ja
jetzt schon über ein halbes Jahr her, aber er erinnere sich
noch an alles, fast wie bei einem Tauchgang, wenn man
das erste Mal einen Hai sehe, wie man sich da nachher
auch an all die anderen Fische erinnere, statt gerade sie zu
vergessen, für den einen. Und wie aus den Lautsprechern
immer noch Musik gedrungen sei, dass ihn das aber beru
-
higt habe, ein bisschen wenigstens.
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Und wie sich, als der Krankenwagen weg war, plötzlich
niemand mehr im Schwimmbad befunden und er gedacht
habe, dass seine Kollegin wohl die Leute weggeschickt
habe und am Abschliessen sei. Das Wasser lag noch immer
ruhig da, wie am Morgen, wenn er sich jeweils fast nicht
reinzuspringen traute, als könne er etwas Kostbares zerstö
-
ren; und wenn er es doch tat, kam es ihm vor wie frischer
Schnee und er zog die ersten Spuren. Doch an jenem
Abend war ihm das stille Wasser, das der Wind nur ganz
leicht kräuselte, wie eine Zumutung vorgekommen.

Werner Rohner
Was möglich ist

Roman

Hardcover, mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-03925-007-3
Seiten 379
Erschienen 1. September 2020
€ 24.90 / Fr. 32.00

Ebenso empathisch wie klug, so atmosphärisch wie präzis.
— Ruth Schweikert

Drei mutige Frauen, drei Neuanfänge: In seinem zweiten Roman erzählt Werner Rohner Geschichten über die Liebe – so schön, so traurig und so divers wie im echten Leben. Edith, 61 und seit Jahrzehnten Kellnerin im gleichen Café, wandert mit ihrem deutlich jüngeren Freund nach Marokko aus. Vera verliebt sich in eine Frau und beginnt eine leidenschaftliche Affäre, obwohl sie sich mit ihrem Mann gerade auf das erste Kind freut. Lena, Ehefrau und Mutter, reist überstürzt mit einer alten Liebe nach Neapel, und als ihr bester Freund dort auftaucht und sie zur Rückkehr bewegen will, zieht sie mit den Kindern bei ihm ein.

Einfühlsam und unaufgeregt erzählt Werner Rohner von Sehnsucht und Begehren, von Aufbruch und Verlust.

Pressestimmen

Werner Rohner spürt drei Beziehungsgeschichten nach, die Grenzen überschreiten: Grenzen des Alters, der Konventionen und der Freundschaft. Ein einfühlsamer Roman, der zeigt, welche Beziehungen in der Literatur oft etwas untergehen.
— Radio SRF 2 Kultur
Werner Rohner umkreist im Roman die Problematik dreier Neuanfänge. Dabei bringt er uns jede Gefühlsregung seiner Protagonisten so nahe, dass es zum Heulen ist.
— Clara Gauthey, Bieler Tagblatt
Ein unterhaltsames Panoptikum zeitgenössischer Paarbindung.
— Charles Linsmayer, CH Media
Dieses Buch ist von einer Intensität und einer Intimität, dass man es zwischendurch beim Lesen aus der Hand legen muss, um das Gelesene sacken zu lassen, durchzuatmen, um dann nur kurz darauf gleich weiterzulesen, wieder in die Geschichten einzutauchen, weil man sich dem Sog und dem Sound einfach nicht entziehen kann.
— Caroline Grafe, Litquartier
Werner Rohner gelingt es, dem Job eines Bademeisters poetische Qualitäten abzuringen. (…) Er nimmt die Angst vor dem Alltag und zeigt, welche Qualitäten sich darin verbergen können, was möglich ist, wenn man sich darauf einlässt, auch auf die Gefahr hin, daran zu scheitern. Seine Frauen tun es mit Leidenschaft und gewinnen ein Stück Leben, das sie andernfalls nicht mit derselben Leidenschaft und dem gleichen Glückspotential leben hätten können.
— Literaturgeschichten
Grossartig unspektakulär erzählte Ausschnitte aus dem Spektakel des Lebens.
— Laudatio zur Verleihung eines Werkjahres der Stadt Zürich