LENOS
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Lenos Verlag
FLORIANNE KOECHLIN
DENISE BATTAGLIA
WAS ERBSEN HÖREN
UND WOFÜR KÜHE
UM DIE WETTE LAUFEN
Verblüffendes
aus der Pflanzen- und Tierwelt
Erste Auflage 2018
Copyright © 2018 by Lenos Verlag, Basel
Alle Rechte vorbehalten
Satz und Gestaltung: Lenos Verlag, Basel
Umschlag: Thomas Dinner, Basel
Umschlagillustration: Florianne Koechlin
Printed in Germany
ISBN 978 3 85787 490 1
www.lenos.ch
Der Lenos Verlag wird vom Bundesamt für Kultur mit einem Struktur-
beitrag für die Jahre 20162020 unterstützt.
WAS ERBSEN HÖREN
UND WOFÜR KÜHE
UM DIE WETTE LAUFEN
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INHALT
Worum es uns geht 11
KAPITEL I
Erbsen hören das Rauschen von Wasser 15
Monica Gagliano von der Universität von Westaustralien
hat experimentell nachgewiesen, dass Erbsen hören.
KAPITEL II
Die Ulme und ihr Bodyguard 27
Monika Hilker von der Freien Universität Berlin untersucht,
wie Ulmen Schlupfwespen zu Hilfe rufen, lange bevor eine Raupe
an ihr zu fressen beginnt.
KAPITEL III
WWW – das Wood Wide Web 37
Wie das Drüsige Springkraut das unterirdische Pilz-Wurzel-Geflecht
schädigt und wie elementar wichtig dieses Netz für den Wald ist,
erforschen Hans-Peter Rusterholz und Verena Wiemken
von der Universität Basel.
KAPITEL IV
»Je mehr man über den Regenwurm weiss,
desto schöner wird er« 49
Schon Charles Darwin war vom Regenwurm fasziniert
und widmete ihm ein ganzes Buch. Auch Lukas Pfiffner vom FiBL staunt
über die Leistungen dieses unscheinbaren Wesens.
KAPITEL V
Klee, Gras oder Ampferblüten – Kühe sind wählerisch 61
Die Kuh sei ein Gourmet, sagt Florian Leiber vom FiBL,
den wir auf einer Alp besuchen. Das sei lebenswichtig für sie.
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KAPITEL VI
Zu einer Kuh gehören einfach Hörner 79
Armin Capaul ist Initiant der »Hornkuh-Initiative«,
über die das Schweizer Volk am 25. November 2018 abstimmen wird.
Der Biobauer ist stolz auf seine Kühe mit den schön geschwungenen
Hörnern und erklärt, warum Hörner wichtig sind.
KAPITEL VII
Warum der eierlegende Hahn
zum Tode verurteilt wurde 91
Im Mittelalter waren Tiere Rechtspersonen,
man zog sie für ihre Taten vor Gericht zur Verantwortung.
Ein Gespräch mit dem Philosophen Andreas Brenner.
KAPITEL VIII
Omnia mutantur, nihil interit –
Alles wandelt sich, nichts geht unter 99
KAPITEL IX
Genmanipulierte Baumwolle
oder »back to the roots«? 123
Indiens genmanipulierte Baumwolle wird von Schädlingen überwältigt.
Ist »back to the roots« die Lösung? Monika Messmer vom FiBL
und Patrick Hohmann, Pionier im Bio-Baumwollanbau,
sind von der Zukunft gentechfreier Biobaumwolle überzeugt.
KAPITEL X
Dürfen wir Tiere töten? 137
Die Massentierhaltung verursacht grosses Tierleid. Doch lässt es sich ethisch
überhaupt rechtfertigen, Tiere zu töten? Darüber sind sich die Autorinnen
nicht einig.
Unsere Tiere: Das Leben gehört anständig beendet
(Florianne Koechlin)
Lachende und geniessende Schweine (Denise Battaglia)
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KAPITEL XI
Die weltweit grösste Solidarische Landwirtschaft –
made in Korea 153
Hansalim in Südkorea hat heute weit über 600 000 Mitglieder –
und bleibt seiner Vision einer ökologischen und gerechten Landwirtschaft
treu.
KAPITEL XII
Der Bauernhof von morgen 167
Maxime de Rostolan von der Mikrofarm La Bourdaisre
im französischen Montlouis-sur-Loire sagt, der Bauernhof der Zukunft
sei klein, nicht gross.
KAPITEL XIII
Die landwirtschaftliche Tretmühle 183
Mathias Binswanger ist einer der einflussreichsten Schweizer Ökonomen.
Trotzdem lehnt er den Freihandel in der Landwirtschaft ab
und befürwortet Schutzzölle und Direktzahlungen.
KAPITEL XIV
»Das Vogelgezwitscher kommt ins Ohr zum Hören« 195
Jeong Kwan, eine buddhistische Nonne in Südkorea,
führt uns in die über 1500 Jahre alte Tradition ihrer veganen Küche ein.
Hoo Nam Seelmann, Publizistin und Philosophin, erklärt, wieso es
das Wort »Individuum« bis vor kurzem im Koreanischen nicht gab.
Anmerkungen, weitere Beispiele, Ergänzungen 215
Bücher zum Thema 251
Referenzen 253
Bildnachweis 263
Dank 263
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WORUM ES UNS GEHT
Erbsen hören das Rauschen von Wasser. Ihre Wurzeln
wachsen gezielt auf eine Wasserquelle hin. Andere Pflanzen
reagieren ebenfalls auf bestimmte ne, sie wachsen zum
Beispiel schneller oder sind besser gegen rreperioden ge-
wappnet. Wie ist das glich? Pflanzen haben doch keine
Ohren!
Pflanzen besitzen aber noch viel mehr verblüffende Ta-
lente. Eine Forscherin in Berlin untersucht zum Beispiel,
wie eine Ulme ihren Frassfeind aufspürt, lange bevor dieser
sie attackiert. Doch woran erkennt die Ulme ihren zukünf-
tigen Widersacher? Oder dies: Unter dem Boden bilden
Buchen, Eschen, hren oder Eichen mit vielen verschiede-
nen Pilzarten eine grosse Lebensgemeinschaft: Sie tauschen
untereinander Nährstoffe und sogar Informationen aus. In
einem Wald bei Basel spazierten wir mit einer Forscherin
über dieses umfangreiche unterirdische Netzsystem aus
Wurzeln und Pilzen, das sogenannte Wood Wide Web
(WWW). Was bringt diese Gemeinschaft den WG-Mitglie-
dern, und was kostet sie den Einzelnen?
Auch die Beziehungsnetze von Tieren beeindrucken uns.
Die Kuh, sagte uns ein Forscher, den wir auf einer Alp be-
suchten, habe eine starke Verbindung zu ihrer Umgebung
und wähle ihr Menü in der Weide selber wenn man sie
denn lasse. Dabei zeigen sich individuelle Vorlieben: Die
eine bevorzugt Klee, die andere die Bten des Saueramp-
fers. Ermöglicht der offenbar ausgeprägte Geschmackssinn
den Tieren vielleicht jene intensiven Erlebnisse, die das
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Sehen und ren uns Menschen geben? Falls ja, was ver-
wehren wir den Kühen, wenn wir ihnen tagein, tagaus den
gleichen Einheitsbrei vorsetzen? Auch der Regenwurm ist
ein Gourmet. Ohne den unter Tag arbeitenden Netzwerker
gäbe es keine fruchtbaren Böden. Schon Charles Darwin,
der den Regenwurm jahrzehntelang beobachtete, war von
den Leistungen dieses scheuen Tiers tief gehrt.
Das ökologisch geprägte Weltbild beruht darauf, dass al-
les mit allem irgendwie vernetzt ist. In den letzten Jahren
haben wir neue und faszinierende Einblicke in die unend-
lich komplexen und dynamischen Netzwerke bekommen,
die das Leben ausmachen. Dieses Buch ist eine Fortsetzung
der früheren Bücher. Es berichtet von Entdeckungen, die
vor einigen Jahren noch als unmöglich galten.
Was aber bringt das Wissen, dass wir alle – Pflanze, Tier
und Mensch – in koevolutionäre Prozesse eingebunden und
in gegenseitige Abhängigkeiten verstrickt sind? Was bedeu-
tet dies konkret für die Landwirtschaft oder für uns Konsu-
mentinnen und Konsumenten?
Weiter wie bisher ist keine Option. Dass die industrielle
Landwirtschaft an ihre Grenzen stösst, zeigt sich besonders
deutlich an der Massentierhaltung. Eine Richtungsände-
rung tut not. Doch dürfen wir Tiere überhaupt töten? Wir
Autorinnen sind unterschiedlicher Meinung und legen un-
sere Positionen dar.
Mit der Frage, wie eine Landwirtschaft von morgen aus-
sehen nnte, reisten wir an die Loire und besuchten eine
französische Mikrofarm, die eine immense Vielfalt an Ge-
müse, Obst und Kräutern auf kleinstem Raum anbaut, öko-
logisch und rentabel. Sind vielleicht Mikrofarmen und
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nicht Grossbetriebe – die Bauernhöfe der Zukunft? In Süd-
korea besuchten wir Hansalim, das weltweit grösste und er-
folgreichste System einer Solidarischen Landwirtschaft. Und
von einem Schweizer Bauern wollten wir wissen, warum
Hörner für Kühe so wichtig sind.
Ein renommierter Schweizer Ökonomieprofessor erklärt,
was er vom derzeit umstrittenen Freihandel r Lebens-
mittel hält, und zum Nachtisch erzählt eine buddhistische
Nonne in Südkorea, die uns in die Köstlichkeiten der über
tausend Jahre alten veganen Küche einführt, was sie mit der
Aubergine verbindet.
Beziehungen, das zeigen diese Einblicke, sind der Boden
alles Lebendigen. Darin liegt die Zukunft, auch jene der
Landwirtschaft.
Florianne Koechlin und Denise Battaglia,
August 2018
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I. ERBSEN HÖREN
DAS RAUSCHEN VON WASSER
Gespräch mit Monica Gagliano
von der Universität von Westaustralien
Pflanzen hören Töne. Was noch vor zehn Jahren als unwis-
senschaftlich, spekulativ und esoterisch abgetan wurde, ist
heute vielfach nachgewiesen. Regelmässig erscheinen dazu
neue Studien. Vielleicht ist das gar nicht so erstaunlich,
denn keine Pflanze, nirgendwo auf der Welt, wächst in einer
llig geräuschlosen Umwelt auf: Bienen summen, Wasser
rauscht, Vögel singen, Grillen zirpen, Wind heult, Auto-
verkehr brummt und knattert. Geräusche nnen Pflanzen
eine Fülle an Informationen über ihre unmittelbare und
weitere Umgebung anbieten.
Eine, die schon lange über die rfähigkeit von Pflanzen
forscht, ist Monica Gagliano, Ökologin an der Universität
von Westaustralien in Perth eine begeisterte junge For-
scherin, die an Wissenschaftskonferenzen mit ihren unkon-
ventionellen Hypothesen auch mal aneckt.
Mit einem einfachen Versuch konnten sie und ihr Team
nachweisen, dass Pflanzen das Rauschen von Wasser hören:
Mit Plastikröhren in Form des Buchstabens Y, der auf dem
Kopf steht. Diese Röhren füllten sie mit Erde und setzten
oben je einen Erbsenkeimling (Pisum sativum) ein.
1
In ei-
nem ersten Versuch wollten sie wissen, ob die Pflanzen das
Wasser wirklich aufspüren können. Unter ein Bein des um-
gekehrten Y stellten sie ein Wassergefäss, das andere Bein
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blieb trocken. Fast alle Erbsenpflanzen fanden zuverlässig
das Wasser, ihre Wurzeln wuchsen in die Richtung des
Beines mit der feuchten Erde. Dass Pflanzen Feuchtigkeit
aufspüren nnen, war allerdings schon bekannt. In einem
zweiten Versuch legten sie ein flexibles Plastikrohr um ein
Y-Bein und liessen Wasser hindurchfliessen. Die Erde blieb
in beiden Y-Beinen trocken. Die Hypothese war: Wenn
Pflanzen tatsächlich ren können, dann haben sie einen
Hinweis, dass es bei einem Bein Wasser geben könnte. Und
tatsächlich: Die Wurzeln fast aller Pflanzen wuchsen auf
das Geräusch von fliessendem Wasser zu. Sie konnten das
Wasser lokalisieren, obwohl keine feuchte Erde sie lockte,
obwohl das Wasser für sie unerreichbar war.
Als ich mich an diesem Dezembertag per Skype mit Monica
Gagliano unterhalte, ist es in Perth bereits acht Uhr abends,
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und noch immer dringt Tageslicht
durch das Fenster ihres Büros. In
Australien ist Sommer.
Monica Gagliano, Sie sind überzeugt,
dass Erbsen das Rauschen von Wasser
hören. Könnte es nicht bloss Zufall sein,
dass die Mehrheit der Wurzeln auf das
Geräusch zuwuchs?
Nein. Die Pflanzen vollbrachten
diese Aufgabe genauso gut wie jene,
die Feuchtigkeit aufspürten.
Genauso gut, wirklich?
Ja, das war eindeutig. Die Erbsenpflanzen wissen, wo sie
Wasser finden nnen. Sie riechen die Feuchtigkeit, ihre
Wurzeln wachsen darauf zu. Sie ren, wenn Wasser durch
den Boden oder durch ein Rohr fliesst, ihre Wurzeln wach-
sen dorthin.
Wie aber hören Pflanzen?
ne, Geräusche sind Vibrationen. Pflanzen spüren diese
Vibrationen.
Einen tiefen Basston einer Heavy-Metal-Band nehme ich auch di-
rekt im Bauch wahr, als würde ich von den Tönen berührt. Ich
spüre diese Vibrationen – etwa so?
Genau. ne sind eine Art von Berührung auf Distanz. Pflan-
zenwurzeln spüren die Vibrationen des rauschenden Wassers,
die auf die Erde übertragen werden; sie hören das Rauschen.
Doch wie hören Pflanzen? Sie haben ja keine Ohren!
Wir vermuten, dass die Zellmembranen eine wichtige Rolle
spielen. Dort befinden sich viele empfindliche Sensoren,
Monica Gagliano
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sogenannte Rezeptoren. Bei uns Menschen werden ne
im Ohr in elektrische Signale umgewandelt und dann im
Gehirn gelesen. Darauf generieren wir eine Antwort, zum
Beispiel einem heranbrausenden Auto auszuweichen. Bei
Pflanzen sind das wohl diese Rezeptoren auf den Zellmem-
branen, die im Prinzip die gleiche Funktion übernehmen.
Auch sie wandeln Töne in elektrische Signale um. Daraus
werden Antworten generiert: Die Wurzeln wachsen zum
Wasser hin. Eine Pflanze rt also mit allen Zellen, am
Stängel, in den Blättern, in den Wurzeln. Sie braucht dazu
keine Ohren. Aber genau wissen wir das noch nicht.
Wasser kann ganz unterschiedliche Geräusche machen: Ein grosser
Wasserfall tönt anders als ein Bächlein oder Wasser, das durch
eine Röhre fliesst. Hören Pflanzen alle diese Geräusche?
Ebendies möchten wir untersuchen, zuerst im Labor mit
hren, durch die wir Wasser mit unterschiedlichen Ge-
schwindigkeiten rauschen lassen. Dann möchten wir in
Feldversuchen das Verhalten von Pflanzen bei verschiedenen
Wasserquellen untersuchen das ist sehr aufwendig. Aber
es würde grossen Spass machen, hier weiterzuforschen.
Hören alle Pflanzen gleich gut?
Wahrscheinlich nicht. Einige Pflanzen finden Wasser viel
besser als andere, sie dirigieren ihre Wurzeln schnell an
den richtigen Ort. Vielleicht sind Pflanzen auch an spe-
zielle Orte angepasst. Eine Pflanze, die normalerweise in
Lehmböden lebt, rt wahrscheinlich das Wasserrauschen
in Lehmböden besser. In einer anderen Umgebung wäre sie
nicht so gut.
2011 haben Denise Battaglia und ich einen Weinbauern in der
Toskana besucht, der die Hälfte seiner Reben seit über 15 Jah-
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ren mit Mozart-Klängen beschallt. Nachher besprachen wir die-
ses Experiment mit Stefano Mancuso von der Universität Florenz,
der dieses Experiment seit Beginn begleitete.
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Er war vorsichtig,
meinte, dass diese Art Forschung noch stark im Ruch der Esoterik
stehe. Das ist offenbar heute anders. Chinesische Forscher zum Bei-
spiel konnten zeigen, dass Pflanzen bei bestimmten Tönen schneller
wachsen oder sich besser zur Wehr setzen.
Das ist wohl nicht so einfach.
Wie meinen Sie das?
Vor ein paar Jahren habe ich Hühnerhirse (Echinochloa spp.)
untersucht. Dieses Unkraut ist im Reisanbau in Australien
ein grosses Problem. Ich wollte herausfinden, ob sich durch
Beschallung der Einsatz von Pestiziden verhindern oder zu-
mindest reduzieren liesse. Gewisse Tonfrequenzen haben
die Pflanzen tatsächlich beeinflusst, doch viel komplexer,
als wir gedacht hatten. Einige Töne beschleunigten die
Keimung, hatten aber bei ausgewachsenen Pflanzen keinen
Einfluss. Andere Frequenzen wirkten sich nur auf das spä-
tere Wachstum aus.
Wie bei uns!
Genau. Babys haben andere Bedürfnisse als Erwachsene.
Das ist auch bei Pflanzen so. Leider erhielt ich keine finan-
zielle Unterstützung, um die Versuche fortzuhren eine
verlorene Chance. Dieselbe Universität bewilligte damals
jedoch grosse Projekte zur Pestizidforschung. Das sind ein-
fach andere Interessen.
Forscher der Autonomen Universität Barcelona traktierten kleine
Ackerschmalwand-Pflanzen (Arabidopsis thaliana) zehn Stun-
den lang mit sehr lautem Weissem Rauschen
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und liessen sie durs-
ten. Die Pflanzen überlebten. Unbeschallte Kontrollpflanzen hin-

Florianne Koechlin / Denise Battaglia
Was Erbsen hören und wofür Kühe um die Wette laufen

Verblüffendes aus der Pflanzen- und Tierwelt

Hardcover, mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-85787-490-1
Seiten 263
Erschienen 10. September 2018
€ 23.80 / Fr. 32.00

Die Fortsetzung der Erfolgsreihe über verblüffende Talente in der Pflanzen- und Tierwelt und wie sie einer nachhaltigen Landwirtschaft dienen können.

Autorinnen und Autoren

Erbsen hören das Rauschen von Wasser. Ja, wirklich: hören. Waldbäume verbinden sich unterirdisch mit Pilzen zu einem riesigen, dynamischen Netz, dem WWW (Wood Wide Web), über das sie auch Nährstoffe und Informationen austauschen. Kühe wissen, wie sie sich selbst verarzten können. Mikrofarmen in Frankreich rentieren dank riesiger Vielfalt und cleverer Vermarktung. Alles ist mit allem vernetzt: darauf beruht das ökologisch geprägte Weltbild.

Was aber folgt aus dem Wissen, dass alles Leben im Austausch, in gegenseitiger Abhängigkeit steht? Wie könnten die Bauernhöfe der Zukunft aussehen, jenseits industriell optimierter Grossbetriebe?

Die Autorinnen porträtieren verblüffende Talente aus der Pflanzen- und Tierwelt, besuchen verschiedene Beispiele solidarischer und biologischer Landwirtschaft, stellen sich ethischen und gesellschaftspolitischen Fragen. Beziehungen, das zeigen ihre anschaulichen Berichte, sind der Boden alles Lebendigen. Darin liegt die Zukunft, auch jene der Landwirtschaft.