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Hilde Ziegler
Während der Verlobung wirft einer
einen Hering an die Decke
198 Erinnerungen eines Kindes
Lenos Verlag
Sonderausgabe 2014
Copyright © 1988 by Lenos Verlag, Basel
Alle Rechte vorbehalten
Satz und Gestaltung: Lenos Verlag, Basel
Umschlag: Anne Hoffmann Graphic Design, Zürich
Printed in Germany
ISBN 978 3 85787 448 2
Die Autorin
Hilde Ziegler wurde 1939 in Lörrach geboren und wuchs in
Weil am Rhein auf. Die Schauspielerin lebte hrend vieler
Jahre im südlichen Elsass. 1999 schied sie freiwillig aus dem
Leben. Im Lenos Verlag erschienen ihre cher Guten Morgen,
Goethe Nacht und Ich wusste, wohin die Reise geht.
Für Jan und seinen Vater
7
Wenn ich die Hand hochhalte und den
Daumen verstecke, wissen alle, wie alt ich
bin.
Meine Mutter sagt, bald müsse ich den
Daumen nicht mehr verstecken.
8
Frau Glück sagt: je nachdem, wie der Wind
weht, hört man die Glocken von Basel oder
die Schüsse im Elsass.
9
Ich frage meinen Bruder: weisch du, was
Chrieg isch? Er sagt: das sinn über hun-
derttausig Kanone. Für dr Feind. Ich frage:
was isch dr Feind? Er sagt: dr andr.
10
Meine Mutter fragt auf hochdeutsch: was
bist du mein?
Ich antworte auf hochdeutsch: deine holde
Prinzessin.
11
Wir singen: wie die Blümlein draussen zit-
tern. Bei dem Wort zittern zittert mein
Bruder.

Hilde Ziegler
Während der Verlobung wirft einer einen Hering an die Decke

198 Erinnerungen eines Kindes

E-Book
ISBN 978-3-85787-907-4
Seiten ca. 253
Erschienen 1. April 2015
€ 12.99

Mit ihrem ersten Buch Während der Verlobung wirft einer einen Hering an die Decke machte sich die Schauspielerin Hilde Ziegler (1939–1999) auch als Autorin einen Namen. Sie kehrt darin in die Zeit und in das Dorf ihrer Kindheit zurück, nach Weil am Rhein – 700 Meter von der Schweizer Grenze, drei Kilometer von der französischen Grenze entfernt.

Die Erinnerungen des Mädchens setzen sich zu einem eindrücklichen Bild zusammen, welches das Leben in einem Grenzort – »je nachdem, wie der Wind weht, hört man die Glocken von Basel oder die Schüsse im Elsass« – in einer schwierigen Zeit darstellt. Entstanden ist eine eigenwillige Chronik der Kriegs- und Nachkriegsjahre.

Pressestimmen

Hilde Ziegler gelingt es, mit ihrem Erzählmosaik deutsche Geschichte in Kriegs- und Nachkriegszeit zu schreiben – spannend, oft witzig, auch traurig und bis in sprachliche Nuancen von grosser, entlarvender oder Erkenntnis schaffender Genauigkeit.
— Die Zeit
Hilde Zieglers verantwortungsvolle Menschlichkeit ist mutig: Sie lässt die Gnade der Ausrede nicht zu. Ihr schmaler Band ist ein grosses Buch.
— Neue Zürcher Nachrichten
Hilde Zieglers Buch gibt Einblicke in eine sensible Kinderseele, die bewältigen muss, was wie ein Orkan über sie herfällt.
— Neue Zürcher Zeitung