LENOS
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Der Chefredakteur einer jordanischen Zeitung beauftragt vier Personen
aus seinem Team, ein Interview mit einem Augenzeugen aus der Zeit
der 1948 erfolgten Staatsgründung Israels und der damit verbundenen
massenhaften Vertreibung der arabischen Bevölkerung zu führen. Der
betagte Palästinenser lebt bei der Familie seines Sohnes und soll von
seiner persönlichen Erfahrung berichten. Die Erinnerung an die Nakba
darf nie in Vergessenheit geraten.
Als Nachkommen der Flüchtlingsgeneration empnden die vier ihre
palästinensische Herkunft eher als gefühlsmäßige Zugehörigkeit, aber
nicht mehr als nationale Identität. Umso mehr stürzen sie sich in
die bedeutsame Aufgabe. Doch der Alte verweigert die Mitarbeit, er
schweigt beharrlich.
Unter dem Druck des Chefredakteurs spitzt sich die Situation zu. Die
Bemühungen um das Interview entwickeln sich in eine dramatische,
sogar kriminelle Richtung.
Omar Khalifah gelingt es in dieser vielstimmigen, grotesk anmutenden
und doch zutiefst menschlichen Geschichte, der unendlichen Tragik
der Nakba eine besondere Tragweite zu verleihen. Es entwickelt sich
eine intensive Reexion über das Erinnern, das Exil und die vielfältige
Bedeutung einer kollektiven Identität.
Lenos Verlag
Omar Khalifah
Sandfänger
Roman
Aus dem Arabischen
von Joël László
Der Übersetzer
Joël László, geboren 1982 in Zürich. Studium der Nahostwissen-
schaften und der Geschichte. Längere Aufenthalte in Kairo sowie
wissenschaftliche Publikationen zu neuerer türkischer und ägyptischer
Geschichte. Neben seiner Tätigkeit an der Universitätsbibliothek Basel
arbeitet er als Autor und Übersetzer. Für den Lenos Verlag übertrug
er Werke von Ghassan Kanafani, Ibtisam Azem und Asmaa al-Atawna
ins Deutsche. Seine eaterstücke und Hörspiele wurden mehrfach
ausgezeichnet. Er lebt in Basel.
Der Übersetzer dankt der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia für
die Unterstützung.
Titel der arabischen Originalausgabe:
Qâbid al-raml
Copyright © 2020 by Omar Khalifah
First published by Dar al-Ahlia
Published by arrangement with the literary agency Le Monte-charge
culturel and their duly appointed agent Liepman AG
Erste Auflage 2026
Copyright © der deutschen Übersetzung
2026 by Lenos Verlag, Basel
Alle Rechte vorbehalten
Satz und Gestaltung: Lenos Verlag, Basel
Umschlagfoto: Paul Saad / Shutterstock
Printed in Germany
ISBN 978 3 03925 054 7
www.lenos.ch
Erster Teil
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Das Interview
Ruhig betraten wir die Wohnung. Mit im Gepäck hatten
wir digitale Aufnahmegeräte, Papier, Tablets, Fotokameras
und neunzehn Fragen.
Am Vorabend hatten wir uns im Turtle Green Café in
der Rainbow Street in Amman getroen. Wir, das sind ich
und ein Kollege, der untreu ist, dazu eine Kollegin, die
ebenfalls untreu ist, sowie eine weitere Kollegin, die drei
Sprachen ießend spricht. Lange Zeit hatten wir dageses-
sen und uns überlegt, welche Art Fragen wir dem Alten
vorlegen sollten. Es hatte Wochen gedauert, die Familie
überhaupt zu einem Treen zu bewegen. Manchmal war
der Alte zu krank, dann wieder waren sie zu beschäftigt.
Es gab einen launischen Enkel, der uns jedes Mal anschrie,
wenn wir anriefen, und sich weigerte, uns überhaupt an-
zuhören. Mein untreuer Kollege meinte einmal am Tele-
fon – er war eben unterwegs zu seiner Geliebten –, dass
wir die ganze Sache vergessen und zu einer anderen Story
übergehen sollten. Doch ich beharrte darauf, dass diesem
Interview eine besondere Bedeutung zukam. Für uns han-
delte es sich um eine prinzipielle Angelegenheit, von daher
ging es schon in Ordnung, wenn wir uns etwas ins Zeug
legen mussten. Unser Treen im Café dauerte drei Stun-
den. Am Schluss einigten wir uns darauf, dass ich im Na-
men aller vor dem Alten sprechen sollte. Weshalb die Wahl
ausgerechnet auf mich el, verstand ich nicht ganz, doch
ich willigte ein. Lachend erkoren sie mich zum Teamlei-
ter. Wir erarbeiteten zehn Fragen. Dazu kamen fünf al-
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ternative Fragen für den Fall, dass der Alte auf einige der
zehn nicht antworten konnte, schließlich nochmals drei,
über deren Qualität wir uns nicht sicher waren, einfach
für alle Fälle, sowie eine Abschlussfrage, »je nachdem, wie
die Stimmung so ist«, wie meine untreue Kollegin sich
ausdrückte. Wir vereinbarten, dass meine dreisprachige
Kollegin das Gespräch aufzeichnen sollte, um es später
zu transkribieren und zu bearbeiten. Den Treulosen und
die Treulose bat ich, die Mobiltelefone auszuschalten, um
während des Interviews möglichst ungestört arbeiten zu
können. Der Treulose würde einige Fotos schießen, und
die Treulose würde einige Notizen auf dem Tablet machen.
Ich wiederum würde die Papiere mitbringen, auf denen
wir unsere Fragen festgehalten hatten.
Begonnen hatte die ganze Geschichte einen Monat
zuvor. Unser untreuer Kollege hatte mich angerufen, um
mir mitzuteilen, dass die Verwandten seiner Geliebten den
fünfundachtzigsten Geburtstag eines Familienmitglieds
feierten.
»Und deine Geliebte will dich zur Geburtstagsparty ein-
laden?«, fragte ich.
»Mach keine Witze. Die Sache ist die, dass dieser Alte
der letzte lebende Nakba-Augenzeuge seiner Familie ist.«
»Und was hat das mit mir zu tun?«
»Komm schon. Stell dir vor, der letzte Nakba-Überle-
bende dieser Familie. Das ist doch eine erstaunliche Ge-
schichte.«
»In welchem Verwandtschaftsverhältnis steht er zu dei-
ner Geliebten?«
»Er ist der Bruder ihres Großvaters.«
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Als ich die Sache dem Chefredakteur unserer Zeitung
unterbreitete, war er sogleich begeistert. Er wählte mich,
den Treulosen, die Treulose und die Übersetzerin für den
Job aus und gewährte uns uneingeschränkte Gestaltungs-
freiheit in Bezug auf das Interview. Wir setzten uns zu-
sammen und diskutierten als Erstes den Umstand, dass
ausgerechnet wir für den Job ausgesucht worden waren. Es
musste daran liegen, dass wir die Einzigen in der Redak-
tion mit palästinensischem Hintergrund waren. Bestimmt
ging unser Chefredakteur davon aus, dass wir von unseren
Großeltern oder von anderen Familienmitgliedern bereits
die eine oder andere Geschichte über die Nakba gehört
hatten. Vielleicht wusste er auch, dass wir befreundet wa-
ren. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass der Treulose
die Geschichte ausgegraben hatte.
Nachdem wir den Job übernommen hatten, gingen wir
für unsere erste Besprechung einen Kaee trinken.
Der Treulose überraschte uns mit der Frage: »Was ist
besonders an eurer Beziehung zu Palästina?«
Ich wusste nicht, ob es ernst oder sarkastisch gemeint
war, doch ich wagte mich als Erster vor: »Ich verwechsle
noch immer die Reihenfolge der Farben in der palästinen-
sischen Flagge.« Darauf folgten die Antworten der anderen.
Der Treulose: »Alle Frauen, mit denen ich geschlafen
habe, waren Palästinenserinnen, bis auf meine Gattin.«
Die Treulose: »Unser Hochzeitsfest lief seit zwanzig Mi-
nuten, da begrien wir, dass wir am Jahrestag der Nakba
heirateten.«
Die Übersetzerin: »Die erste Maqluba, die ich kochen
wollte, ist mir angebrannt, und ich musste sie wegwerfen.«
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Im Berufsalltag war Palästina nicht unser Fachgebiet,
so dass wir zuerst Quellen in Arabisch und anderen Spra-
chen konsultieren mussten. Das Ziel unseres Interviews
war ein Porträt des alten Mannes. Darin sollte er uns über
sein Leben vor und nach der Nakba erzählen, insbesondere
über den Moment, als er und seine Familie aus Palästina
vertrieben worden waren, sowie über die Art und Weise,
wie sein Dorf an die Juden gefallen war, zudem etwas zu
den von den Zionisten verübten Massakern. Schließlich
gab es noch das eine oder andere ema, das wir mit un-
seren Fragen anschneiden wollten. Die Treulose erzählte
mir von einem libanesischen Roman mit dem Titel Das
Tor zur Sonne, der viele Geschichten und Anekdoten über
die Nakba enthalte. Sie meinte, ich solle ihn lesen und als
Inspiration für das Interview mit dem Alten nutzen.
Ich bat den Treulosen, uns die Telefonnummer eines Fa-
milienmitglieds zu beschaen. Seine Geliebte spielte ihm
die Nummer des Enkels zu. Wir riefen ihn aus der Re-
daktion an und brachten unser Anliegen vor. Seine Absage
war so endgültig wie überraschend. Als ich ihn nach den
Gründen fragte, legte er auf. Wir versuchten mehrmals zu-
rückzurufen, doch der junge Mann schrie uns nur an und
verlangte, in Ruhe gelassen zu werden. Der Treulose bot
an, seine Geliebte um Hilfe zu bitten. Zwei Tage später
teilte er uns mit, dass diese unser Projekt zwar für sinn-
voll erachte, jedoch nicht daran glaube, dass die Familie
zustimmen werde. Als wir sie nach den Gründen fragten,
erzählte sie uns, dass der Mann sehr krank sei und man
nicht an alte Wunden rühren wolle. Ich bat sie, die Familie
davon zu überzeugen, dass unser Anliegen allein das pa-
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lästinensische Gedenken sei – was heute umso wichtiger
sei, da nur noch wenige Zeugen der Nakba lebten. Die
drei schauten mich bewundernd an und üsterten unter-
einander: »Das Tor zur Sonne.« Das Hin und Her dauerte
weitere zwanzig Tage an, schließlich stimmte die Familie –
vertreten durch den ältesten Sohn – unter der Bedingung
zu, das Porträt vor der Veröentlichung noch einmal ge-
genlesen zu können.
Leise betraten wir die Wohnung. Inmitten zahlreicher
Familienangehöriger saß der Alte im Zimmer, in dem
Gäste empfangen wurden. Sein Stuhl war mit einem wei-
chen Wollvlies bezogen. Einen Moment lang fühlten wir
uns tatsächlich wie wichtige Journalisten. Der älteste Sohn
bot uns Tee und Süßigkeiten an, und wir begannen uns
mit der Gruppe über unsere Arbeit und unser Leben zu un-
terhalten. Der Treulose war abgelenkt, und ich bemerkte,
wie er immer wieder eine junge Frau anstarrte. Plötzlich
trat eine Stille ein. An den Blicken konnten wir ablesen,
dass es an der Zeit war, uns an die Arbeit zu machen. Zu
viert setzten wir uns zum Alten und stellten uns vor. Dann
erönete ich, unserer Abmachung gemäß, das Gespräch:
»Mein Team und ich, wir freuen uns, dass wir heute hier
sitzen und Ihren Erinnerungen an die Nakba – soweit Sie
diese mit uns teilen möchten – lauschen dürfen. Um Ihre
Zeit nicht länger als nötig in Anspruch zu nehmen, haben
wir einige Fragen vorbereitet, die Sie hoentlich beant-
worten mögen.«
Die Übersetzerin schaltete das Aufnahmegerät ein,
der Treulose holte seine Kamera heraus, und die Treulose
machte sich am Tablet bereit.
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»Es sind zehn Fragen, die wir in Blöcke aufgeteilt ha-
ben. Wir beginnen mit dem ersten Block. Suchen Sie sich
gerne die Frage aus, die Ihnen am meisten zusagt.«
Wir blickten auf den Alten, um eine Reaktion abzule-
sen, doch sein Gesicht blieb vollkommen ausdruckslos.
»Der erste Block umfasst drei Fragen«, fuhr ich fort.
»Erstens: Was war der Hauptgrund dafür, dass Sie Ihr Dorf
in Palästina verließen? Waren es die Nachrichten über
Massaker in anderen Dörfern? Das Massaker in Dair Jas-
sin beispielsweise – hatten Sie davon gehört, bevor Sie das
Dorf verließen, oder erst danach?
Zweitens: Wenn wir richtig informiert sind, waren Sie
zur Zeit der Nakba fünfzehn Jahre alt. Können Sie sich
daran erinnern, wie das Verhältnis zur jüdischen Bevölke-
rung in Ihrem Dorf vor der Nakba aussah? Gab es Bezie-
hungen und Austausch? Was erzählte man sich über sie?
Drittens: Beschreiben Sie uns den Moment der Vertrei-
bung, so wie Sie ihn in Erinnerung haben. Was genau ha-
ben Sie getan? Was haben Sie mitgenommen? Wohin sind
Sie gegangen?«
Mit diesem Satz hielt ich inne und blickte zum Alten
und zu meinen Kollegen. Mir schien, dass ich mich tapfer
geschlagen hatte, doch am Alten waren die Worte spurlos
vorübergegangen. Der älteste Sohn lächelte und versuchte
die Situation aufzuheitern, indem er vom ema ablenkte,
doch wir warteten weiter vergebens auf irgendeine Reak-
tion. Da trat der Enkel an mich heran und üsterte mir
zu, dass wir die ganze Sache abbrechen müssten, wenn sein
Großvater in den nächsten ein, zwei Minuten nicht zu re-
den anfange. Um ihn loszuwerden, stimmte ich widerwil-
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lig zu, während ich gleichzeitig inständig hote, dass der
Alte irgendeine Geschichte auspackte. Die Übersetzerin
rief mich zu sich und schlug vor, mit dem zweiten Fragen-
block weiterzumachen. Mir war es zwar nicht recht, mit zu
vielen Fragen Verwirrung zu stiften, gleichzeitig schien mir
der Vorschlag die einzige Möglichkeit zu sein, der peinli-
chen Stille ein Ende zu bereiten.
»Was halten Sie davon, wenn ich mit dem zweiten
Block weitermache? Er enthält ebenfalls drei Fragen. Sie
können alle auf einmal beantworten oder sich etwas davon
aussuchen. Gerne kann ich auch die Fragen aus dem ersten
Block wiederholen, wenn Sie möchten.
Also, viertens: Was ist während der Vertreibung vorge-
fallen? Sind Sie Juden begegnet? Gab es Opfer aus Ihrem
Dorf ?
Fünftens: Gab es während der Vertreibung Konikte
oder Streitereien unter der Dorfbevölkerung? Wer war
verantwortlich für Anweisungen oder Befehle? Wer orga-
nisierte den Aufbruch?
Sechstens: Wir haben gehört, dass einige Palästinenser
Tiere mitgenommen haben. Können Sie dazu etwas sa-
gen?«
Als wäre nichts passiert. Dieselbe Kälte, dieselbe tödli-
che Stille. Der Enkel warf mir einen vielsagenden Blick zu.
Der älteste Sohn fragte, ob wir weitermachen wollten. Mir
kam der Gedanke, den dritten Block zu überspringen und
gleich zur Schlussfrage – die als eine Art Rettungsanker
dienen sollte – überzugehen. Tatsächlich hatten wir einige
Zeit darauf verwendet, eine Formulierung zu nden, die
uns sowohl provokant wie auch mitfühlend vorkam. Als
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könnte er meine Gedanken lesen, zwinkerte der Treulose
mir zu. Ich hatte die Schlussfrage auf einen Zettel geschrie-
ben und in die Innentasche meines Anzugs gesteckt. Jetzt
holte ich ihn heraus.
»Sie müssen die Fragen nicht jetzt beantworten«, sagte
ich. »Gerne können wir zu einem späteren Zeitpunkt wie-
derkommen, wenn Ihnen das lieber ist. Es war uns bloß
wichtig, einen Eindruck zu vermitteln, welche Art von
Informationen wir uns von Ihnen wünschen. Wir haben
uns eine letzte Frage überlegt, mit der wir das Interview
mit Ihnen gerne abschließen möchten. Ich bitte Sie, gut
darüber nachzudenken. Sie können sich gar nicht vorstel-
len, von welcher Bedeutung Ihr Zeugnis ist. Wir benden
uns mitten in einem Krieg der Erinnerungen. Sie sind Teil
dieses Krieges, und es ist unser aller Aufgabe, der Welt un-
sere Geschichte so zu erzählen, dass …«
»Haut endlich ab, ihr Hurensöhne!«, rief der Alte.

Omar Khalifah
Sandfänger

Roman

Aus dem Arabischen von Joël László


Paperback
ISBN 978-3-03925-054-7
Seiten 243
Erschienen 22. September 2026
€ 25.00 / Fr. 26.00

Ausgaben
Paperback (2026)
Was heisst Erinnern? Was bedeutet kollektive Identität?

Der Chefredakteur einer jordanischen Zeitung beauftragt vier Personen aus seinem Team, ein Interview mit einem Augenzeugen aus der Zeit der 1948 erfolgten Staatsgründung Israels und der damit verbundenen massenhaften Vertreibung der arabischen Bevölkerung zu führen. Der betagte Palästinenser lebt bei der Familie seines Sohnes und soll von seiner persönlichen Erfahrung berichten. Die Erinnerung an die Nakba darf nie in Vergessenheit geraten.
Als Nachkommen der Flüchtlingsgeneration empfinden die vier ihre palästinensische Herkunft eher als gefühlsmässige Zugehörigkeit, aber nicht mehr als nationale Identität. Umso mehr stürzen sie sich in die bedeutsame Aufgabe. Doch der Alte verweigert die Mitarbeit, er schweigt beharrlich.
Unter dem Druck des Chefredakteurs spitzt sich die Situation zu. Die Bemühungen um das Interview entwickeln sich in eine dramatische, sogar kriminelle Richtung.

Omar Khalifah gelingt es in dieser vielstimmigen, grotesk anmutenden und doch zutiefst menschlichen Geschichte, der unendlichen Tragik der Nakba eine besondere Tragweite zu verleihen. Es entwickelt sich eine intensive Reflexion über das Erinnern, das Exil und die vielfältige Bedeutung einer kollektiven Identität.


Pressestimmen

Omar Khalifahs Debütroman ist eine düster-komische Satire und eine spannende Geschichte über den Spagat zwischen dem Bedürfnis nach Privatsphäre und der Auseinandersetzung mit den Traumata der Vergangenheit und der Gegenwart.
— Michael Welch, Chicago Review of Books