LENOS
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Lenos Verlag
Yvette Z’Graggen
Kurz vor dem Regen
Aus dem Französischen
von Yla M. von Dach
Die Übersetzerin
Yla M. von Dach, geboren 1946, lebt als freischaffende Übersetzerin
und Schriftstellerin in Paris und Biel. Sie hat u. a. Nathacha Appa-
nah, Nicolas Bouvier, Sylviane Chatelain, Catherine Colomb, Fran-
çois Debluë, Marie-Claire Dewarrat, Sandrine Fabbri, Alice Ferney,
Janine Massard, Sylviane Roche, Catherine Safonoff, Henri Troyat
und Alexandre Voisard übersetzt. Ihre Übersetzungen wurden mehr-
fach ausgezeichnet, u. a. erhielt sie 2000 den Prix lémanique de la
traduction, 2016 den Terra Nova Preis Übersetzung der Schweize-
rischen Schillerstiftung und 2018 den Spezialpreis Übersetzung des
Bundesamts für Kultur.
Die Übersetzerin und der Verlag danken der Schweizer Kulturstif-
tung Pro Helvetia für die Unterstützung.
Titel der französischen Originalausgabe:
Juste avant la pluie
Copyright © 2011 by Editions de l’Aire, Vevey
Erste Auflage 2020
Copyright © der deutschen Übersetzung
2020 by Lenos Verlag, Basel
Alle Rechte vorbehalten
Satz und Gestaltung: Lenos Verlag, Basel
Umschlagabbildung: Ferdinand Hodler, Der Genfersee von Chexbres
aus (1905). Kunstmuseum Basel
Printed in Germany
ISBN 978 3 85787 500 7
Der Lenos Verlag wird vom Bundesamt für Kultur mit einem Struk-
turbeitrag für die Jahre 2016–2020 unterstützt.
Für meine Mutter, für meine Tochter,
für alles, was sie mir gegeben haben
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Vorbemerkung
Die weiblichen Figuren, an die ich mich im dritten
Teil dieses Textes wende, stammen aus Büchern, die
seit 1980 bei den Editions de l’Aire erschienen oder
neu aufgelegt worden sind. Einzig Marilou, die Hel
-
din aus L’Appel du rêve, ist nicht verfügbar, und dazu
bedarf es einer kurzen Erklärung.
Ich habe diesen kleinen Roman mit neunzehn
Jahren geschrieben, im Juli und August 1939, wäh
-
rend der letzten grossen Ferien. In den Jahren da-
nach bot ich, ermutigt vom Dichter Albert Rhein-
wald, der mir einst Literaturunterricht erteilte,
dieses Manuskript mehreren Verlagen an, von denen
es abgelehnt wurde. Schliesslich habe ich es in eine
Schublade gesteckt und sozusagen vergessen. Denn
ich hatte mit der Niederschrift von La Vie attendait
begonnen: Im Gegensatz zum ersten Roman wurde
dieser auf Anhieb vom damals populärsten Verlag,
den Editions Jeheber, angenommen, bei dem er im
März 1944 erschien.
Doch Fabien Perret-Gentil, der Gründer des
Théâtre de Poche in Genf, bekam durch Zufall L’Ap
-
pel du rêve in die Hände, und der Text gefiel ihm.
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Er beschloss, in einer kleinen Reihe, die er soeben
ins Leben gerufen hatte, hundert Exemplare davon
zu drucken. Der Roman erschien unter dem Pseud
-
onym Danièle Marnan ein paar Monate nach La Vie
attendait, das für mich mein erstes Buch bleibt. Von
Marilous Geschichte gibt es vermutlich nur noch
ein oder zwei Exemplare.
Dennoch bleibt diese allererste Romanheldin für
mich repräsentativ für die Geistesverfassung, in der
ich mich im Sommer 1939 befand, und für die Men
-
talität einer schon so weit zurückliegenden Epoche:
Darum habe ich sie auf die gleiche Ebene gestellt
wie meine anderen »papierenen Schwestern«, ohne
dass dieser kleine und wirklich unzureichende Ro
-
man wieder neu aufgelegt worden wäre.
An dieser Stelle möchte ich mich bei Michel
Moret, der meine schriftstellerische Arbeit seit mehr
als dreissig Jahren kompetent und freundschaftlich
begleitet, und bei Françoise Fornerod, die diesen
Text mit wacher Aufmerksamkeit gelesen und wie
-
dergelesen hat, in aller Herzlichkeit bedanken.
Y. Z.
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September 2009. Europa erinnert sich. Im Fern-
sehen, am Radio folgen zum siebzigsten Jahrestag
des Kriegsbeginns Dokumentarfilme, Debatten und
Gedenksendungen aufeinander. Die Augenzeugen
jener Epoche, die den jungen Erwachsenen vorsint
-
flutlich erscheint, werden immer seltener. Es fällt
mir schwer, mir vorzustellen, dass ich damals schon
da war, nicht einmal ein Kind, nein, ich war acht
-
zehn, neunzehn Jahre alt und hatte das Leben noch
vor mir, wie man gern sagt. Tatsächlich glaubte ich
nicht, dass es Krieg geben würde: Der Krieg war
eine Sache der Alten, und sie hatten geschworen,
dass derjenige, den sie erlebt hatten, der allerletzte
sein würde, la der des der
*
, wie sie sagten Mis-
tinguett und Josephine Baker tanzten, Chevalier
sang, und trotz der Wirtschaftskrise, die wir durch
-
gemacht hatten, stand die Zeit im Zeichen der Un-
bekümmertheit. Jenseits des Rheins liess Hitler sein
Drohgebrüll vernehmen, doch wie schön, wie lieb
-
* La dernière des dernières: der allerletzte (Krieg). Nach dem Ersten
Weltkrieg glaubte man, dies sei der letzte grosse Krieg gewesen.
(alle Anmerkungen von der Übersetzerin)
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lich waren die Lieder, die der deutsche Rundfunk
ausstrahlte!
Die Sendung, die ich vorhin gehört habe, illus
-
triert jenen trügerischen Optimismus: In der Reihe
Histoire vivante (Lebendige Geschichte) von Radio
Suisse Romande wurde das Jahr 1938 in Erinnerung
gerufen und das Münchner Abkommen, das die
Tschechoslowakei ohne Skrupel den Nazis auslie
-
ferte. Chamberlain streckte jubelnd ein von »Herrn
Hitler« unterzeichnetes Dokument in die Höhe,
während Churchill, bereits allein gegen viele, sein
berühmtes »You chose dishonour, and you will have
war« in die Runde warf. (Sie haben die Schande ge
-
wählt und werden den Krieg bekommen.)
Wenn ich die Augen schliesse, beginnt in meiner Er
-
innerung ein kleiner Film zu laufen, ich sehe Schwarz-
weissbilder, die ich längst ausgelöscht glaubte.
Genf 1938, die Strassen, auf denen nur wenige Autos
verkehrten, die Trams vorn mit einer offenen, Wind
und Wetter ausgesetzten Plattform. Die Männer im
dreiteiligen Anzug, Hut, steifer Kragen, die Frauen
ebenfalls mit Hut, in einem von einer kleinen Da
-
menschneiderin angefertigten Kleid, im strengen
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Tailleur. Die Kurzwarenhandlungen, wo man Fa-
den, Nadeln und alle Arten von Knöpfen verkaufte.
Läden, in denen man Stoffe auswählte, andere, in
denen man Wollknäuel und Anleitungen fand, um
Pullover, Handschuhe, Mützen selbst zu stricken.
Die Restaurants, in die sich die Frauen selten allein
hineinwagten, sogar am Morgen, um einen Kaffee
zu trinken und das Journal de Genève oder La Suisse
zu lesen. Kinos, es gab ihrer viele, vor denen man zu
gewissen Zeiten mühelos sein Auto parken konnte.
Die Arbeiterviertel am rechten Rhoneufer und
rund um die Kirche Saint-Gervais, dann, auf dem
Hügel der Kathedrale Saint-Pierre zusammenge
-
drängt, die schönen Wohnsitze der guten Gesell-
schaft. Das Collège Calvin, die Sekundarschule für
die Knaben, und am anderen Ende der Stadt, an der
Rue Voltaire, die Sekundarschule für die Mädchen
und die Höhere Töchterschule.
Und dann die grossen Parks, die Quais und die
beiden Strandbäder: jenes von Les Pâquis mit seinen
drei Schwimmbecken, wo männliche und weibliche
Badende voneinander getrennt waren, und am ande
-
ren Ufer Genève-Plage, das ein paar Jahre zuvor ein-
geweiht worden war, sein Sprungturm, seine Rasen-
flächen, seine noch schmächtigen Bäumchen, seine
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Sonnenschirme. Hier lernte man die Freiheit und
die Unbeschwertheit kennen, die neue Lust, Wasser
und Sonne auf der Haut zu spüren.
Auf den Strassen und in den Innenhöfen zu be
-
stimmten Zeiten die Karren der Milchmänner, die
die Milch nach Hause brachten, Messer- und Sche
-
renschleifer, Wollkämmer für die Matratzen, durch
Jutesäcke geschützte Männer, die die Hausfrauen
mit grossen Eisblöcken belieferten, Liedersänger
und Akkordeonisten, die darauf warteten, dass man
ihnen vom Fenster aus ein in Seidenpapier einge
-
wickeltes Geldstück zuwarf. Am Himmel kurvten
kleine Flugzeuge man hob den Kopf, um ihnen
zuzusehen, und bedauerte, dass man den Zeppelin
Hindenburg nicht mehr vorbeiziehen sah, der 1937
verbrannt war. Natürlich, sagten die alten Leute,
heutzutage geht alles viel zu schnell.
Dabei war das Leben doch langsam, man hatte
Zeit, zu reden, innezuhalten, Briefe zu schreiben, in
denen man in allen Einzelheiten seinen Tag erzählte,
lange Spaziergänge über Land zu machen, auf die
Gefahr hin, unbemerkt die Grenze zu überqueren
und sich plötzlich in Frankreich zu befinden.
Es war angenehm, so nah bei Frankreich zu leben
und zugleich in einem Land, das der Sitz des Inter
-
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nationalen Roten Kreuzes und durch seine Neutrali-
tät geschützt war und dessen Berge ein unüberwind-
liches Hindernis bildeten. Selbst wenn der Krieg
ausbrach, wie man es in diesem Sommer 1938 be
-
fürchtete, würden wir bestimmt von ihm verschont
bleiben wie 14–18. Und das war nur gerecht, dach
-
ten wir: Die Schweiz hatte nie Kolonien gehabt, sie
hatte keine Sklaverei betrieben, hatte sich aus allen
Konflikten herausgehalten. Sogar Hitler würde je
-
des Interesse daran haben, unsere Grenzen zu re-
spektieren, wenn es den Alliierten unglücklicher-
weise nicht gelingen sollte, seine Eroberungsgelüste
zu dämpfen. Natürlich war das Leben in der Schweiz
ein bisschen langweilig vor lauter Geruhsamkeit,
es passierte nicht viel, ein Tag glich dem anderen,
die jungen Leute hatten kaum Abwechslung und
manchmal das Gefühl zu ersticken.
Was mich betraf, so hatte ich mich während mei
-
ner ganzen Kindheit und Jugend ins Schreiben und
Lesen geflüchtet. Ich hatte mir Geschichten ausge
-
dacht, die sich im Busch abspielten, in der Wüste,
auf fernen Meeren; da war von der Jagd auf wilde
Tiere, von Banditen und Schiffbrüchigen die Rede.
Später hatte ich Colette, die englischen Roman-
autorinnen, Aldous Huxley, Roger Martin du Gard,
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Alain-Fournier, Lautréamont und viele andere ge-
lesen. Wenn ich in die Hefte mit den schwarzen
Wachstuchumschlägen Geschichten schrieb, in
denen ich das Thema Liebe anzuschneiden wagte,
dachte ich nie daran, sie in meinem Land anzusie
-
deln. In Frankreich, in Deutschland, gleichgültig
wo, bloss nicht in der Schweiz. Gab es überhaupt
Schweizer Schriftsteller? Ramuz natürlich, doch
das war ein Sonderfall, man konnte ihn nicht zum
Vorbild nehmen: Den Genfersee zu beschreiben,
die Rebhügel, die Berge, die Sprache der Leute von
hier nachzuahmen, das schien mir ausserhalb meiner
Reichweite zu liegen, und ich sah keinen Sinn darin.
Eigentlich war mir, das muss ich einfach zugeben,
das Land, in dem ich lebte, gleichgültig. Vielleicht
weil ich einen österreichisch-ungarischen Gross vater
und Deutschschweizer Grosseltern hatte, die in ei
-
nem entlegenen Dorf im Kanton Glarus wohnten
und deren Sprache ich nicht verstand.
Auf meinem kleinen Bildschirm löst ein Bild das
andere ab.
August 1938. Genève-Plage. Mama, noch sehr jung,
mit Freundinnen im Gras sitzend, plaudernd, fröh
-
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lich, für ein paar Augenblicke von ihren Sorgen be-
freit. Und ich, achtzehn, glücklich, Ferien zu haben,
bevor ich mein letztes Schuljahr und gleich danach
das Leben, das wirkliche Leben in Angriff nehme.
Ich habe einen Roman im Kopf, den ich schreiben
will, sobald die Matura hinter mir liegt, und der si
-
cher besser sein wird als die, die ich bisher entwor-
fen habe. Ich fühle mich reif für die Liebe, für ein
Abenteuer, selbst ein gefährliches.
Und da ist eben gerade Alex. Er ist zwanzig.
Gross, athletisch, braungebrannt, blondes Haar,
blaue Augen. Schön wie der Legionär, von dem
Marie Dubas singt. Ich betrachte ihn von ferne,
überzeugt, dass er mich nicht beachten wird. Ich
finde mich nicht hübsch, ein bisschen zu dick, mit
einem etwas zu starken Hohlkreuz, etwas zu kur
-
zen Beinen. Es gibt viele bezaubernde junge Mäd-
chen am Strand, aber durch welches Wunder, ist
mir ein Rätsel – ich bin es, mit der er die paar Tage
bis zu seiner Rückkehr nach Berlin zu verbringen
gedenkt. Wir schwimmen zusammen, sitzen stun
-
denlang auf dem Floss, mit Blick zum Jura hinüber,
Füsse im Wasser, Schulter an Schulter, liegen Hand
in Hand auf dem Rasen. Seine Haut ist zart, warm,
ich fühle mich gut. Er erzählt mir auf Deutsch von
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seinem Studium in Potsdam, er will Berufsoffizier
werden. Ich sage, ich hoffte, weiterhin zu schreiben,
meinen Lebensunterhalt vielleicht mit dem Verfas
-
sen von Romanen zu verdienen. Wir sprechen nicht
vom drohenden Krieg, vor allem nicht von Hitler
und vom Nationalsozialismus.
Die Deutschen sind zurzeit bei fast allen verhasst
und gefürchtet. Ich bin stolz, gegen den Strom zu
schwimmen.
Eines Nachmittags, kurz vor Alex’ Abreise, ge
-
hen wir auf der Kursaalterrasse tanzen. Die Fon-
täne, die Rade, die Savoyer Alpen sehr nahe, denn
es herrscht Föhn. Der zu blaue Himmel. Das kleine
Orchester. Alex, elegant, graue Hose, weisses Hemd,
Blazer. Ich in meinem von unserer Schneiderin ab
-
geänderten Kommunionkleid. Die Entdeckung des
Begehrens. Kummer bereits über den so nahen Ab
-
schied.
Der Pont du Mont-Blanc am späten Nachmittag.
Alex hält meine Hand, er ist mein erster Verehrer,
aber auch der grosse Bruder, der starke Beschützer,
von dem ich oft geträumt habe, als ich noch klein
war.
In der Nacht nach diesem »Tanztee« kann ich
nicht schlafen. Ich stütze mich mit den Ellenbogen
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aufs Balkongeländer. Zu dieser Zeit kommt kein
Tram mehr, dieses Tram, auf das wir abends oft war
-
ten in der Hoffnung, meinen Vater aussteigen zu se-
hen. Es sind auch fast keine Autos mehr unterwegs.
Alles ist ruhig, still. Trotz der Stadtnähe duftet die
Luft nach Erde, nach Gras. Der Föhn, der Regen an
-
kündete, hat sich gelegt, Sterne blinken am Himmel,
vielleicht wird das Wetter morgen schön, an Alex’
vorletztem Ferientag. Wenn nicht, wie werden wir
uns treffen? Wir haben unsere Genfer Adressen noch
nicht ausgetauscht. Der Gedanke, ihn nicht wieder
-
zusehen, ist unerträglich. In der Phantasie wage ich,
was ich in Wirklichkeit noch nie getan habe. Ich
liebkose seine Wangen, seinen Hals, seine Brust, ich
nehme mir Zeit, um die Wärme und Zartheit seiner
Haut besser zu spüren. Auch er liebkost mich lang
-
sam, zum ersten Mal die Hände eines Mannes auf
meinem Körper, ich wusste nicht, dass man dabei
eine solche Lust empfinden kann. Ich klammere mich
fester ans Balkongeländer, schliesse die Augen. Er ist
da, legt mir den Arm um die Schultern, er sagt leise,
dass er mich liebt. Und dann, wie vorhin auf der Kur
-
saalterrasse, drückt er mich an sich. Meine Wange
liegt an seinem Hals, ich spüre eine Ader pochen, er
ist da, lebendig, und vielleicht wird er in einigen Wo
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chen an der Front sein, mit seiner Division, wie sagte
er noch, Panzerdivision, das ist es, Panzer, das Wort
habe ich noch nie gehört, und es kommt mir bedroh
-
lich vor. Doch warum hat er sich zu einer Militärkar-
riere entschlossen? Auf meine Frage hat er lakonisch
gemeint, das sei in seiner Familie wie in so vielen Fa
-
milien aus dem preussischen Adel Tradition.
Die Genfer Nacht, so friedlich. Rings um mich
das schlafende Europa. Ich öffne die Augen und
merke, dass sie voller Tränen sind, mein Gott, be
-
ginne ich diesen Jungen, von dem ich kaum etwas
weiss, wirklich zu lieben?
Am nächsten Tag ist das Wetter nochmals schön.
Der Wind hat wieder zu blasen begonnen, das Blau
des Himmels wird immer aggressiver, und ein paar
weisse Streifen, fast unsichtbar, künden Regen an.
Natürlich ist Alex da. Wir strecken uns wie ge
-
wohnt auf dem Rasen aus, um uns summen die Bie-
nen. Dann schwimmen wir um die Wette, ich freue
mich, denn ich lasse mich nicht abhängen und kann
wie Alex unter der Wasseroberfläche verschwinden
und mit langen Stössen weiterschwimmen, um an
einer Stelle wieder aufzutauchen, an der mich nie
-
mand erwartet. Schwimmen und Schreiben, das im-
merhin kann ich.

Yvette Z’Graggen
Kurz vor dem Regen

Aus dem Französischen von Yla M. von Dach


Hardcover, mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-85787-500-7
Seiten 175
Erscheint 29. Februar 2020
€ 22.00 / Fr. 26.00

Ein starkes Plädoyer für weibliche Unabhängigkeit: das letzte Buch der Grande Dame der Westschweizer Literatur

September 2009: Inspiriert vom medialen Gedenken an den siebzigsten Jahrestag des Kriegsbeginns, fragt sich Yvette Z’Graggen, wie ihr Leben verlaufen wäre, hätte Yvie, ihr Alter Ego, damals im Sommer 1938 den jungen Deutschen nicht abgewiesen. Aus der Erinnerung an eine kurze Romanze, die sie mit achtzehn erlebte, entwickelt die Autorin eine Geschichte, deren Protagonistin zweifellos die stärkste und freieste ihrer Figuren ist, da sie sich der bürgerlichen Moral ihres Umfelds widersetzt.
In einem zweiten Teil verabschiedet sich Yvette Z’Graggen von den Heldinnen ihrer Bücher: »Sie widerspiegeln jede auf ihre Art die Entwicklung der Frauen über mehr als ein halbes Jahrhundert hinweg. Sie haben versucht, die Unwissenheit, die Verlogenheit, die Vorurteile zu bekämpfen, die in ihrer Kindheit noch herrschten. Sie haben auch begriffen, dass die innere Freiheit wesentlich ist, und sie haben sich gegen alles zur Wehr gesetzt, was sie gefangen hielt.«
Für dieses Buch wurde Yvette Z’Graggen 2012 postum der Prix Edouard Rod verliehen.