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umzugehen, und jede verdient es, gehört zu werden. Ich
positioniere mich bewusst an der Seite der Betroenen
und schreibe aus einer Haltung der Solidarität und der
Verantwortung heraus. Jedes Kapitel gehört einer Person,
ist ein Ausschnitt aus ihrem Leben. Die Fragilität dieser
Geschichten verlangt Sorgfalt, Rücksicht und Aufmerk-
samkeit – nicht nur im Schreiben, auch im Lesen.
Während ich dies schreibe, versuche ich mir ständig vor-
zustellen, wer dieses Buch lesen wird. Wer bist du, wäh-
rend du dir vorzustellen versuchst, wer die Betroenen
sind? Vielleicht denkst du an betroene Freund*innen,
vielleicht denkst du, keine betroene Person zu kennen,
vielleicht bist du selbst betroen, vielleicht hast du noch
nie von sexualisierter Gewalt gehört. Ich verstehe, wenn
sich in dir etwas dagegen sträubt, dich dieser explizit ge-
schilderten sexualisierten Gewalt (erneut) auszusetzen.
Ich ermutige dich, dieses Buch als Einladung zu sehen,
deinen Blick auf die Welt zu erweitern und andere Reali-
täten anzuerkennen, in die Erfahrungen von Betroenen
einzutauchen, nicht abstrakt, nicht aus der Ferne, son-
dern hautnah, spürbar. Diese Geschichten können auf
alle Leser*innen unterschiedlich wirken. Wenn du selbst
von sexualisierter Gewalt betroen bist, können sie dich
triggern, sie können dich wütend machen, sie können
dich aber auch darin bestärken, deine Geschichte zu er-
zählen. Wenn du nicht betroen bist, können sie dich
wütend machen, sie können dich ohnmächtig stimmen,
sie können dich aber auch auffordern, mehr zu lesen,
mehr darüber zu sprechen, mehr dagegen zu tun.