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wann sie die Küste erreichen würde. Erst nach einer Weile
begri Holm, dass die Besatzung darüber diskutierte, ob
sie ihn wie geplant am nächsten Tag zur Insel hinausfah-
ren könne. Ihm wurde mit einem Mal heiss. Ob es nicht
möglich sei, sofort in See zu stechen, bevor die Störung
näher komme, fragte Holm. Eine der Frauen lachte wie
über einen Witz. Als Holm darauf beharrte, seine Aus-
rüstung noch an diesem Abend aufs Schi zu bringen,
wurden sie und die anderen ernst. Sie tranken ihre Gläser
aus, und eine halbe Stunde später war Holms Gepäck an
Bord. Um sechs Uhr dreissig am nächsten Morgen, eine
Stunde vor Sonnenaufgang, würden sie ablegen. Holm
bemerkte die Herablassung in den Gesichtern der Besat-
zung, als er die vereinbarte Zeit wiederholte.
In der Nacht weckte ihn der Wind, der im Garten
hinter dem Gästehaus an den Weissdornhecken zerrte,
und er versuchte, zu hören, ob er stärker wurde. Er
dachte an die Wetterkarten im Institutsarchiv, mit denen
einst Landfall und Stärke eines Sturms vorausberechnet
worden waren. Damals lag die Eintrittswahrscheinlich-
keit noch bei neunzig Prozent, und man sagte, das Wet-
ter wiederhole sich alle hundert Jahre. Kaum war Holm
wieder eingeschlafen, vibrierte sein Tracker.
Der Hafen lag ausgestorben in der Morgendämme-
rung, der Mietwagen war bereits zurückbeordert wor-
den. Ein beständiger Westwind blies, Stärke fünf. Auf
dem Meer trieben weisse Schaumkronen. In den Ka-
binen des Küstenwachschis brannte Licht. Die Be-
satzung sass in der Bordküche. Auf einem zerkratzten
Tablett zwischen Kaeetassen tickten die neusten Wet-