LENOS
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LP 216
www.lenos.ch
Lenos Verlag
Annemarie Schwarzenbach
Das glückliche Tal
Mit Originalfotos von der Autorin
Die Autorin
Annemarie Schwarzenbach wurde 1908 in Zürich geboren. Studium
der Geschichte in Zürich und Paris. Ab 1930 enge Freundschaft mit
Erika und Klaus Mann. 1931 Promotion. 1931 bis 1933 als freie
Schriftstellerin zeitweise in Berlin. Erstmals Morphiumkonsum. 1933
bis 1934 Vorderasienreisen. 1935 kurze, unglückliche Ehe mit dem
französischen Diplomaten Claude Clarac in Persien. 1936 bis 1938
(Foto-)Reportagen im Zusammenhang mit Reisen in die USA, nach
Danzig, Moskau, Wien, Prag. Entziehungskuren in der Schweiz. 1939
Reise mit Ella Maillart nach Afghanistan. 1940 Aufenthalt in den
USA. 1941/42 in Belgisch-Kongo. Die Journalistin, Schriftstellerin
und Fotoreporterin starb 1942 in Sils.
Erst Ende der 1980er Jahre wurden ihre Arbeiten wiederentdeckt,
und Annemarie Schwarzenbach wurde zur Kultautorin und andro-
gynen Ikone.
Der Lenos Verlag wird vom Bundesamt für Kultur mit einem Struk
-
turbeitrag für die Jahre 2016–2020 unterstützt.
Ungekürzte Originalausgabe
Erstmals erschienen 1940
LP 216
Zweite, erweiterte Auflage 2020
Copyright © 2006 by Lenos Verlag, Basel
Alle Rechte vorbehalten
Satz und Gestaltung: Lenos Verlag, Basel
Umschlagfotos: vorn: Zeltstadt im Lahr-Tal, im Hintergrund der
Demawend (SLA-Schwarzenbach-A-5-06/162); hinten: Schnee-
bedeckter Demawend (SLA-Schwarzenbach-A-5-06/150)
Printed in Germany
ISBN 978 3 85787 816 9
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I.
Unsere Zelte stehen auf einer Grasbank am Ufer des
Lahr-Flusses. Der Talboden liegt zweitausendfünf
-
hundert Meter über Meer noch dreissig Meter hö-
her, wenn man vom Spiegel des Kaspischen Meeres
aus rechnet, welches uns viel näher ist als der Per
-
sische Golf. Zweitausendfünfhundert Meter das
klingt schon beträchtlich, aber in Wirklichkeit be
-
deutet es wenig; denn ringsum sehen wir Berge und
Ketten, die unser Tal mächtig überragen. Es sind
graue Höhenzüge, zum Teil mit steil emporsteigen
-
den Felswänden, aus brüchigem, wild zerrissenem
Gestein zum Teil lange, sanft hingelagerte Hal
-
den. Steht man irgendwo in der Mitte einer solchen
Halde –, und wir gehen nicht selten hinauf, um die
Steinböcke zu beobachten, oder einfach, um dem
dumpfen Schlaf unter dem Zeltdach zu entfliehen –,
dann kann man deutlich das unaufhörliche Rieseln
des Gerölls hören. Dieses monotone, sehr leise Rie
-
seln ist das einzige Geräusch in der Einöde, aus-
ser dem Brausen eines unsichtbaren Windes, der in
weiter Ferne über die Kämme streichen muss, oder
gar über die heisse Ebene, tief unten, die durch eine
ganze Reihe namenloser Pässe und Saumpfade von
unserem Tal getrennt ist. Ich kenne kein unerträg
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licheres Geräusch als das nie versiegende Rieseln der
grossen Halden –, ja, es übertrifft an Schrecklichkeit
sogar das nächtliche Dröhnen der Karawanenglocken
in der Ebene, dem ich hier glücklich entflohen bin.
Im Sommer bringen die Karawanen den heissen Tag
in einer Stadt oder in einem Khan zu und brechen
erst mit der Dämmerung auf, wenn der Wind ein we
-
nig kühler wird. Da ich mehrere Monate in einer Ba-
racke gewohnt habe, die nur durch eine Gartenmauer
aus Lehm von der alten Karawanenspur zwischen
Teheran und Veramin getrennt war, hörte ich das
dumpfe Dröhnen der Glocken, die heiseren Schreie
der Treiber und die kleine, hell bimmelnde Glocke
am Hals des Leitesels jeden Abend, und noch bis in
den Traum hinein –, trotzdem konnte ich mich nie
daran gewöhnen. Hier oben habe ich sozusagen meine
ungestörte Nachtruhe; denn Kamele ziehen selten
durch dieses Tal und gewiss nicht des Nachts, wenn
schneidende Kälte herrscht. Aber es gibt auch an
-
dere Geräusche. Manchmal ängstigt mich das rasche,
eilige Gurgeln des Flusswassers, das sich unter den
Uferbänken hindurchwindet, über Kiesel stolpert –,
und ich meine sogar, die verzweifelten Luftsprünge
von Forellen zu hören. Oder der Wind wird stärker,
dieser fürchterliche Höhenwind, der noch den Staub
-
geruch der verbrannten Ebene hier heraufträgt und
in der Dunkelheit an den Seilen unserer Zelte reisst.
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Aber, wie gesagt, weitaus am schlimmsten ist das un-
aufhörliche Rieseln der grossen Halden. Man sollte
sich nie in das Geröll hinaufwagen. Man tut es doch
immer wieder.
Und bleibt man dann stehen, einen Augenblick
nur, um Atem zu schöpfen, dann meint man zuerst
sein eigenes, rasch schlagendes Herz zu hören. Aber
das ist schon verstummt, und was man immer noch
hört jetzt deutlich, unmissverständlich –, das sind
die rieselnden Halden. Man sieht sich unwillkürlich
um, als erwarte man Hilfe. Weithin ist, was man er
-
blickt, nur die graue und dabei merkwürdig milde
Einöde. Unten der Fluss ein schmales Band, und die
grünen Pferdeweiden, die weissen Zelte, gegenüber
am anderen Ufer das Tschaikhane, niedrig, fast ver
-
steckt in der Mulde vor dem Anstieg des Afjé-Passes,
der Rauch dringt aus der Türe und windet sich an
der silbergrauen Felswand empor –, ein wenig fluss-
abwärts die Zelte der Nomaden, aus schwarzem Zie
-
genfilz, davor die rotleuchtenden Röcke der Frauen
und ihre blitzenden Kupferkessel. Alles so winzig wie
Spielzeug, auch die Schafherden, auch die weidenden
Pferde des Schahs. Der Fluss verschwindet hinter den
Schwarzklippen – viel weiter sind wir auch beim Fo
-
rellenfischen noch nicht gekommen. Aber das Lahr-
Tal ist damit noch längst nicht zu Ende; wissen wir
überhaupt, wohin es führt? Hinunter nach Mazan
-
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deran, in das Teufelsland am Kaspischen Meer, sagen
die Nomaden. Mazanderan wunderbar ist der Klang
dieses Namens! Dort herrschen Dschungel, Urwald,
Reisfelder, Wasserbüffel auf melancholischen
-
nen, Feuchtigkeit, Malaria. In Gilan, der westlichen
Nachbarprovinz, werden die Reisfelder auf Befehl
des Schahs trockengelegt, und Chinesen lehren den
Malaria-Bauern die schwierige Kunst der Teekultur.
Der Tee von Gilan schmeckt nach Stroh, der Reis aus
Mazanderan riecht nach getrocknetem Mist. In den
kleinen Küstenstädten, in Pehlevi, in Meshed-i-Sehr,
wohnen die russischen Kaviarfischer. Im Osten begin
-
nen die Steppen, Weideplätze der Pendinischen und
Theke-Turkmenen, mit ihren roten und kamelhaar
-
braunen Teppichen, ihren bunten Zeltstreifen und
Satteltaschen. Sie züchten die schönsten und schnell
-
sten Pferde des Ostens. Ihre Buben, sechsjährig,
achtjährig, reiten sie in den grossen Steppenrennen,
die im Herbst stattfinden. Im Hafen Krasnovodsk
beginnt die russische Bahn, ein einsamer Schienen
-
strang, der durch die Steppe läuft: nach Merw, nach
Buchara, Samarkand. Da sind wir schon nahe von den
lockenhaarigen Tadschiken, schon bald auf den Pa
-
mir-Höhen, und an der Grenze des Himmelsgebirges.
Oh, Magie der Namen! Oh, Städte Asiens, leuchtende
Kuppeln über dem Niemandsland, oh, jähe Hoffnun
-
gen! Schlägt dein Herz wieder?
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Am Talausgang dort, wo wir seinen Ausgang
vermuten, erhebt sich der glatte Kegel des Riesen,
die unerreichbare, unberührbare Pyramide des De
-
mawend: sein Leib ist jetzt, im späten Sommer, ge-
streift wie der eines Zebras. Die Lava macht sich breit
zwischen dem schmelzenden Schnee. Sein Haupt aber
ist immer von strahlender Wolkenweisse und sendet
selbst in der Nacht sein Licht aus, das wie die Milch
-
strasse sanft den Himmel erhellt. Wir sind an seinen
herrlichen Anblick gewöhnt wie man sich in die
-
sem Land gewöhnt an Ausblicke, Staub, Kamelglok-
ken, Fieber, an den Ablauf der Stunden, an Morgen
und Abend, und zu leben versucht, jeder, wie er es
vermag. Und den Demawend sehen wir, wo immer
wir uns hinwenden: wenn wir morgens das Zelt ver
-
lassen, wenn wir dem Fluss entlang waten bis hin-
unter zu den Schwarzklippen, wenn wir statt dessen
flussaufwärts gehen und den Graskessel erreichen,
wo Kamele weiden und Ziegen und fettschwänzige
Schafe. Einmal bin ich zu einem Ruinenhügel ge
-
ritten, der viele Stunden von hier entfernt in einem
runden Talgrund liegt und noch von keinen Grabräu
-
bern, von keines Menschen Fuss berührt wurde. Den
Nomaden bedeutet er nichts; denn kein Grashalm
wächst auf seiner nackten, von einem wohl tausend
-
jährigen Tod gezeichneten Oberfläche. Ich stieg hin-
auf, kehrte dem starken Wind den Rücken: da erhob
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sich, in wunderbarer Ferne, wieder das weisse Haupt.
Heute ist es von einer leichten Wolke verhüllt – oder
sind es Schwefeldämpfe? Aber der Krater ist längst
erloschen. Selbst die Assyrer, welche berichteten,
dass das fremde Volk der Meder sich bis zum Fusse
des Bikni-Berges ausdehne, wussten nicht, dass es
ein feuerspeiender Berg sei. Seit dreitausend Jahren
schon ist er erloschen! Seit Menschengedenken! –
Wie ich hinüberschaue zum Demawend, den ich aus
langer Gewohnheit kenne und gewiss auch verehre,
weil sein Haupt den Himmel berührt und sein Fuss
unsichtbar ist, da vermischen sich meine Herzschläge
wieder mit dem unaufhörlichen Rieseln. Ich werde
ruhiger. Über mir heben die Felskämme zu glänzen
an, die die Halden krönen, aller Schwere entblösst,
und wenn mir auch nicht leicht zumute wird, so ge
-
winnt doch das eben noch unerträgliche Geräusch die
Qualität einer grossen Stille.
Wir nennen dieses Tal manchmal «Ende der
Welt», weil es hoch über den Hochflächen der Welt
liegt, weit von den begangenen Ebenenstrassen;
keine Karawanenspur verbindet es auch nur mit der
Wüste und den Toren ihrer Totenstädte Kerbela und
Nejaf, wo es von geschäftigen Menschen wimmelt
Gebirgszüge ohne Ende trennen es vom Meer. Wohl
trifft man da und dort auf einen Pfad; aber niemand
ausser den Nomaden weiss, wohin diese Pfade führen.
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Und es ist noch zu bezweifeln, ob die Nomaden es
wissen, obwohl sie es sind, die im Lauf der Jahrhun
-
derte die Spuren getreten haben; denn sie wandern
geduldig mit ihren Herden und folgen den Jahres
-
zeiten oder den Weideplätzen, bis der Kreislauf sich
schliesst und sie, in den ersten Tagen des Sommers,
wieder hier eintreffen. Nein, sie kennen kein Ziel,
und ihr Blick, wenn er über die Rücken ihrer Ka
-
mele streift und vielleicht weit darüber hinaus schon
beim Demawend anlangt, ist von einer Ergebenheit,
die Enge und Weite hinnimmt von einer Geduld,
die uns im Innersten erschreckt. Sie fürchten zwei
-
fellos den Tod nicht. Sehen sie den Demawend?
Erkennen sie, wie sein glatter Kegel den Talausgang
versperrt? – Merken sie nicht, dass er, wenn man
versucht, ihm näher auf den schneegestreiften Leib
zu rücken, sich sachte weghebt und entfernt wie
der Mond? Wahrscheinlich würden sie antworten:
«Man kann seinen Fuss umgehen.» Was liegt hinter
seinem Fuss? Sie würden den Kopf schütteln über
eine solche Frage.
Man sagt, die Nomaden rauchen kein Opium.
Wenn man drüben im kleinen Tschaikhane, wo die
Männer um den Samowar sitzen, den süsslichen Opi
-
umgeruch zu spüren glaubt, der die Erinnerung an
die Khans der Karawanenstrassen und an die Teehäu
-
ser der Städte wachruft, so braucht man nur genauer
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hinzusehen: auf den Lehmbänken neben dem Herd,
in der dunkelsten Ecke, hockt ein Soldat, einer der
Pferdehüter des Schahs, die Bluse offen, die Schuhe
neben sich, und raucht. Es ist besser, nicht zu genau
hinzuschauen. Der Wirt stellt sich in den Weg und
murmelt: «Er ist krank.» Das sagt er zu uns, den Fa
-
ranghi, den Fremden. Und ringsum Schweigen, die
Männer saugen ihren Tee durch ein Stückchen Zucker
und wenden nicht einmal den Kopf. Wir aber sollten
uns hüten schon werden Erinnerungen wach. Wir
sollten die Gesichter der Opiumraucher meiden, und
die süsslichen Gerüche den des Tschaikhanes, und
den des mit Staub aus der Ebene gesättigten Win
-
des, und die heiseren Stimmen der persischen Sol-
daten, und die Wärme, die der Samowar ausströmt,
und noch den Rauch der Holzkohle, der die Augen
beizt –, kurz, alles Lebendige, alles, was man früher
gekannt hat, alles, was die Ferne wachruft.
Die Ferne existiert nicht; denn wir können nicht
höher steigen, nicht hoch genug, um über unser Tal
hinweg zu blicken, und über die Felsen und Schutt
-
hänge, die es begrenzen. Einmal es ist lange her
lehrte man uns, die Erdkarte zu lesen, da wimmelte
es von Namen, von Meeren und Flüssen, von gros
-
sen Strassen, welche die grossen Städte miteinander
verbinden. Man lehrte uns auch, wieviel Menschen
in diesen Städten und in jedem Land leben, wie sie
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miteinander Handel treiben und Krieg führen, wie
sie siegen und unterjochen und besiegt werden im
Lauf der Jahrhunderte, und endlich lehrte man uns:
«Sie leben heute noch.» Um die Mittagszeit schreien
sie an der Börse von Paris und Wallstreet, spät in der
Nacht drängen sie sich in den Basaren von Istanbul;
am frühen Morgen herrscht geschäftiges Treiben in
den Khans von Taschkent, und tagaus, tagein werden
die Toten begraben. Woher die Beweise nehmen?
Die Zeitungen, die Radiomeldungen durchkreuzen
die Welt. Wer am Morgen in Zürich erwacht, weiss,
wieviel Tote heute nacht in Abessinien, in Barce
-
lona, in Shansi. Auch die Börse funktioniert, wenn
nicht zum Frieden auf Erden beitragend, so doch
den Menschen zum Wohlgefallen. Aber hier oben,
im Tal am Ende der Welt, gibt es keine Zeitungen,
und wir haben vergessen, ein Radio zu installieren.
Ich für meinen Teil habe schon damals, als ich die
Namen der Städte lernen musste, an ihrer Existenz
gezweifelt. Ich dachte darüber nach und kam zu
dem Schluss: es ist wie im Kino. Da zeigt man uns
auch, sehr schnell hintereinander, die Schauplätze
und Kriegsschauplätze, und jemand, dessen glatt-
rasiertes Gesicht einen Augenblick auf die Leinwand
geworfen wird, erklärt uns dazu: Der Sieger im Ma
-
rathonlauf – gestern aufgenommen –, die Gefan-
genen in China soeben exekutiert –, Kirschblüte
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in Japan und an der Donau, Einzug des Diktators,
jubelnde Volksmassen, Friede auf Erden, zwei Arme
greifen um den Erdball und reichen sich die Hand,
obwohl die Kugel sich in rasender Geschwindigkeit
dreht. Was weiss jener Herr davon, der so geläufig
spricht? Frieren jetzt in dieser Minute irgendwo
Soldaten in ihrem Biwak und putzen ihre Gewehre,
um keinen Arrest zu bekommen? Wird gerade jetzt,
in dieser Stunde, irgendwo eine Glocke geläutet? Ge
-
hen die Gefangenen im Kreis? Träum nicht, sagte
der Lehrer – alles zu seiner Zeit, jetzt haben wir Erd
-
kunde. In welchen Staaten gibt es Ölfelder? Ich ant-
wortete: «Mexiko, Rumänien, Oklahoma, Baku …»
«Baku ist kein Staat», sagte der Herr Lehrer, und er
hatte recht, und ich durfte mich setzen. Jetzt weiss
ich besser Bescheid als er; denn ich war in Baku, und
ich würde ihn fragen: «Wie war es doch, damals, mit
Baku?»
Wie war es mit Baku …
An einem kalten Abend verliessen wir den Ka
-
viarhafen Pehlevi, die trostlose Küste Persiens, auf
einem kleinen Dampfer, an dessen Heck eine ver
-
blasste, sturmzerfetzte rote Fahne wehte. Das Stamp-
fen der Maschine, Dröhnen, Krachen, Klirren und
Rollen verursachten mir schwere Träume. Am näch
-
sten Morgen ging ich an Deck und sah die graue, be-
wegte Kaspi-See, den wehenden Nebel, den wolken-

Annemarie Schwarzenbach
Das glückliche Tal


LP 216
Paperback (mit 20 Fotos von der Autorin)
ISBN 978-3-85787-816-9
Seiten 183
Erschienen 1. September 2020
€ 14.50 / Fr. 18.00

Ein poetischer Klagegesang über die existentielle Einsamkeit und Fragmentierung des modernen Menschen.
— NZZ am Sonntag

Die Kultautorin verarbeitet in diesem Klassiker die Ereignisse des Sommers 1935, den sie in einem Hochtal des iranischen Elburs-Gebirges verbrachte. Es ist die Geschichte einer Liebe zu einer jungen Türkin, die Geschichte ihrer Drogensucht und die Geschichte ihres Ringens um das eigene Schreiben. Ein Buch voll unstillbarer Sehnsucht, die es unmöglich macht, irgendwo je anzukommen.

Ergänzt wird die Neuauflage durch Originalfotografien von Annemarie Schwarzenbach aus der Region um das Elburs-Gebirge und weiteren Stationen der Reise, darunter auch Aufnahmen von antiken Stätten Syriens, die inzwischen vom IS zerstört wurden.

Pressestimmen

Wie süsse, traumhafte Melodien fliessen ihr die klingenden Namen der Städte und Gärten und Moscheen von den Lippen, so dass wir sie eins werden fühlen mit dem Bild einer Landschaft, die zugleich einsame Wildheit und seidenblaue Lieblichkeit sein muss. Mit einer fast visionären Kraft, mit Worten, die zugleich stark und von zitternder, beschwörender Sanftmut sind, zieht sie uns in dieses seltsame Land, das sie in seinen Bann geschlagen hat.
— Die Weltwoche (Februar 1940)
Das glückliche Tal ist ein poetischer Klagegesang über die existentielle Einsamkeit und Fragmentierung des modernen Menschen, der sich selbst fremd geworden ist.
— NZZ am Sonntag
Annemarie Schwarzenbach beschreibt ihre Empfindungen auf einer Reise zum Kaspischen Meer. Sie erzählt vom bedrohlichen Gurgeln des Flusswassers und von den verzweifelten Luftsprüngen der Forellen, dem Staubgeruch der verbrannten Ebene und dem Schlagen des eigenen Herzens.
— Frankfurter Neue Presse