
9
Er roch daran und verzog das Gesicht. »Ich vertrage
keinen Alkohol, Monsieur le Conseiller, ich glaube nicht,
dass ich das hier trinken sollte.«
»Da hast du Glück: Das hier trinkt man nicht, das
geniesst man! Ausser du bist ein Säufer. Säufst du?«
Der heitere Ton des Sekretärs wirkte wie eine
schmerzlindernde Salbe auf die Ängste des Mannes.
Ein Lächeln spiegelte sich in seinen Augen und warf
Lachfalten. Beim Schlucken des namenlosen Gebräus
verspürte der Mann eine Selbstsicherheit, als wäre ein
Komet vorbeigerauscht: intensiv und kurz.
»Schalt deine Telefone aus, und entferne die Batte-
rien«, befahl der Sekretär.
Kaum hat man die Angst verscheucht, kommt sie
nach so einem Befehl im Galopp zurück.
Nachdem der Mann den Anweisungen gefolgt war,
verlor der Sekretär kein Quäntchen Zeit. Er begann
ein Gespräch, das genauso ernsthaft war wie seine nun-
mehr starre Miene. »Was ich dir zu sagen habe, darf auf
keinen Fall publik werden«, sagte er. »Du weisst, der
Mächtige kontrolliert alles. Die Ahnen, die Götter …
Sie verstehen es, zu schweigen und zu beobachten. Du
weisst, ich bin dein älterer Bruder, ich muss dich daran
erinnern, dass es seit dem Tod des ewig glorreichen Ge-
nossen Marien Ngouabi* keine Ehrlichkeit mehr auf
dieser Welt gibt und dass der letzte glaubhaft heilige
Mensch sich Mahatma Gandhi nannte. Doch lassen
wir diese grossen, guten Männer, diese Symbole der
Freiheit, in Frieden ruhen. Was ich dir sagen will, klei-
* 1968–1977 Präsident des Kongo. (Anm. d. Übers.)