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Sie wollte sich schon verabschieden, als ich sie un-
terbrach: »Sie kommen oft hierher, nicht wahr?« Sie
sah mich an, und da bemerkte ich ihre Augen zum
ersten Mal. »Ich habe meine Werkstatt hier, gleich da
drüben, deshalb«, beeilte ich mich hinzuzufügen. Sie
blickte unschlüssig zu mir. Schliesslich schaute sie zum
Hund. Dieser sah der Taube hinterher, wie sie über die
Dächer verschwand. »Er mag es hier«, sagte sie knapp.
Ich nickte. Ich wusste nicht, was ich noch erwidern
konnte, ich wollte nicht aufdringlich sein. Ich nahm ei-
nen Schluck Kaee und meinte: »Danke, das wäre nicht
nötig gewesen.« Was sollte ich sonst sagen? Sie ebenfalls
auf eine Tasse einzuladen schien mir unpassend und
eben, aufdringlich.
Der Hund winselte leise. Sie sah zu ihm hinunter, sagte:
»Oui, mon petit marron«, und sah wieder hoch. Sprach
sie französisch mit dem Hund? Ich weiss noch, wie ich
mir wünschte, ein Gespräch mit ihr anzufangen, aber
einfach nicht wusste, wie. Ich wollte wissen, wer sie war,
ob sie Französin war oder Westschweizerin. Ich mag die
Sprache, ich freue mich immer, wenn ich Gelegenheit
habe, sie zu sprechen, obwohl ich sie mehr schlecht als
recht beherrsche. Ich hatte einen Teil der Lehre bei ei-
nem Geigenbauer im französischen Jura gemacht, Mon-
sieur Martin hiess er. Luthier Martin. Es geel mir, dass
wir auf Französisch Lauten bauen, keine Geigen. Die
Antwort, die sie mir gab, als ich endlich dazu kam, sie
zu fragen, war einfach und schön. Französisch sei ihre
Lieblingssprache. Sie hatte sie, wie ich auch, in der