LENOS
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Ninas kleiner Hund hat eine Aversion gegen Vögel. Sonst hätte Si-
mon Nina nicht auf einen Kaee einladen können, und sie hätten
nie erfahren, was sie verbindet.
Tim zählt. Gullydeckel, Parkuhren, Briefkästen. Auf dem Weg von
der Schule nach Hause darf er keine verpassen. Aber eines Tages ist
da diese grosse Dogge, und alles gerät ausser Kontrolle.
Die kleine Dina heisst eigentlich Devi. Ihr Vater, den sie nicht ge-
kannt hat, gab ihr diesen Namen. Ihre Oma hatte jedoch beschlos-
sen, dass Dina besser zu verstehen sei. Sie ist trotzdem anders als alle
anderen, denn ihre Haut ist braun.
Die Schülerin Anju üchtet sich gern in den Wald. Endlich befreit
von den Blicken und Worten ihrer Familie, entdeckt sie einen gehei-
men Ort ganz für sich allein.
Und am Kantenhain sorgt eine kleine schwarze Katze für Aufregung.
Gianna Olinda Cadonau erzählt vom Fremden, vom Anderssein,
von der Suche nach Zugehörigkeit, von Freundschaft, Rätseln und
Wundern. Zwischen den Zeilen ihrer atmosphärisch dichten, kunst-
vollen Geschichten liegt eine suggestive Sogwirkung. Behutsam und
subtil beleuchtet sie in ihrer poetischen, klaren Sprache die Bezie-
hungen ihrer Figuren, und so gelingt es ihr, mit grossem Einfüh-
lungsvermögen Unaussprechbares sichtbar zu machen.
Lenos Verlag
Gianna Olinda Cadonau
Am Kantenhain
Erzählungen
Erste Auflage 2026
Copyright © 2026 by Lenos Verlag, Basel
Alle Rechte vorbehalten
Satz, Gestaltung und Umschlag: Lenos Verlag, Basel
Umschlagbild: Shutterstock
Printed in Germany
ISBN 978 3 03925 053 0
www.lenos.ch
Der Verlag dankt der Kulturförderung Graubünden/
SWISSLOS
und der Stadt Chur für die Unterstützung.
Inhalt
Ninas Lieder 7
Die Regel 41
Wörter und Blicke 49
Steh auf 53
Jahrhundertereignis 63
Die leeren Stunden 71
Nur diesen Ort 77
Sommerende 83
Cirilla und Selena 89
Mittwinter 105
Am Kantenhain 113
Textnachweis und Dank 129
7
Ninas Lieder
Es ist eine Geschichte ohne Anfang und Ende. Ich
könnte damit anfangen, wie sie sagte: »Hör zu.« Und
dann ein Lied sang. Ich könnte auch damit anfangen,
wie ich sie das erste Mal durch das Fenster sah, sie ging
langsam über den Platz, zwischen den Bänken hindurch,
einen kleinen braunen Hund an der Leine. Sie murmelte
vor sich hin. Erst jetzt, im Nachhinein, weiss ich, dass
sie sang, nicht murmelte. Aber das alles ist nicht der An-
fang. Es ist vielleicht die Mitte, der Höhepunkt sogar. Es
ist wie bei den Spinnfäden in einem ihrer Lieder, er wird
immer weitergesponnen, über Dutzende von Strophen
hinweg. Vielleicht sollte ich einfach damit beginnen,
wie ich sie das erste Mal getroen habe. Ja, das ist gut,
damit kann ich beginnen. Aber vielleicht sollte ich auch
mit mir selbst beginnen, damit Sie sich ein besseres Bild
machen können, warum ich diese Geschichte überhaupt
erzähle. Ich erzähle sie, weil ich nicht weiss, wohin da-
mit, weil sie kein Ende hat. Vielleicht ist es auch etwas
anderes. Nichts geschieht aus nur einem Grund.
Ich war ihr Nachbar, sagen wir entfernter Nachbar, sagt
man dem so? Entfernter Nachbar, wie entfernter Ver-
wandter. Ja, das passt. Ich hatte irgendwie mit ihr zu
tun, bin aber niemand, den sie um Rat gefragt hätte. Ich
war dieser Jemand, zu dem sie gehen konnte, wenn alle
anderen, zu denen sie eher hätte gehen können, nicht
zuhause waren.
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Als ich sie zum ersten Mal bemerkte, war es schon ei-
nige Jahre her, dass ich Vaters kleine Werkstatt und
auch die Wohnung darüber übernommen hatte. Be-
vor Vater krank wurde, hatte er immer weniger Kun-
dinnen und Kunden. Einige Väter, deren Instrumente
er gekannt hatte, als sie noch Kinder waren, brachten
jetzt die Geigen und Bratschen ihrer Kinder, zwei oder
drei Musikerinnen, die er seit ihren ersten Viertelcelli
kannte, kamen nach wie vor zu ihm. Er sagte jeweils,
sie sollten sich doch besser einen anderen Geigenbauer
suchen, einen jüngeren, vor allem wenn es schnell ge-
hen müsse. Seine ehemalige Mitarbeiterin war zu einem
grossen Musikhaus gewechselt, er empfahl, zu ihr zu ge-
hen, sie sei gut. Darauf antworteten die Väter und die
Musikerinnen, es sei nur ein kleines Wehwehchen, ein
bisschen Lack, ein Riss in der Zarge, ein loser Wirbel.
Mich empfahl er nicht. Ich wohnte damals noch nicht
hier, ich arbeitete in einer städtischen Gärtnerei eine
knappe Autostunde von hier. Aber das war nicht der
Grund. Es ist nicht weiter wichtig, ich wollte schliess-
lich von der Frau erzählen.
Sie trug einen dunkelgrünen Mantel, der etwas zu
warm für die Jahreszeit schien, auch ihre Hose und
ihre Schuhe waren dunkel. Die Haare, auch die dun-
kel schwarz oder sehr dunkles Braun –, hatte sie lose
zusammengebunden. Nur die Hundeleine war hell,
leuchtend orange. Ich stand vor der Haustür, die Werk-
statt ist im Erdgeschoss. Das Haus liegt an einem klei-
nen Platz, in der Mitte stehen ein paar Bänke und eine
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grosse Platane. Die Strasse rund um den Platz wird nur
von Fahrrädern befahren. Die Frau tauchte von einem
Tag auf den anderen auf, ich hatte sie zuvor noch nie
hier gesehen, obwohl ich nicht sicher bin, ob sie mir
aufgefallen wäre. Meistens bin ich mit den Gedanken
bei der Arbeit, wenn ich zum Fenster hinausschaue, oft
sehe ich gar nicht, was draussen passiert.
Darüber sprach sie später einmal. Dass sie gerne unauf-
fälliger wäre. So, dass sie den Leuten weniger in Erin-
nerung bliebe. Mir elen ihre Augen auf. Sie sind heller
als ihre Haut, sie sind grau, und weil ihre Haut braun
ist, wirken sie hellgrau. Ihre Augen habe ich aber nicht
beim ersten Mal gesehen, da schaute sie nicht in meine
Richtung. Ich bemerkte, dass sie mit dem Hund sprach,
ihn lockte, wenn er irgendwo stehen blieb und schnüf-
felte, ihm etwas erzählte, auf einer Bank sitzend, wäh-
rend der Hund um die Bank herumtrippelte, das Bein
hob und den Vögeln hinterherschaute.
Ihre Augen sah ich erst, als sie vor mir stand, im kleinen
Gartencafé am Platz, nachdem der Hund meinen Kaee
umgestossen hatte. Er war auf den Tisch gesprungen,
um eine Taube zu vertreiben. Ich denke, wir wären nie
ins Gespräch gekommen, hätte der Hund nicht eine sol-
che Aversion gegen Vögel gehabt. Gegen Tauben, Am-
seln, Elstern und Krähen. Spatzen und andere kleinere
Vögel liess er in Ruhe, aber mittelgrosse Vögel schienen
irgendetwas in ihm auszulösen, was ihn wütend, hung-
rig oder einfach nur sehr aufgeregt machte. Schon Tage
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vor dem Kaeezwischenfall hatte ich beobachtet, wie er
der Frau die Leine aus der Hand riss und einer Krähe im
Zickzack über den Platz hinterherjagte, die Leine hinter
sich herziehend, ein leuchtender Schweif, irgendwie ele-
gant. Die Krähe schien sich ein Spiel daraus zu machen,
hätte sie sich doch jederzeit auf eine Platane retten kön-
nen. Irgendwann setzte sie sich dann auf einen niede-
ren Ast und zeterte zum Hund hinunter. Dieser wedelte
heftig mit dem Schwanz und hechelte. Schliesslich og
die Krähe davon. Der Hund bellte kurz und blieb dann
ganz still. Das musste man ihm lassen, er bellte fast nie,
und wenn, dann nur kurz. Er stand, nachdem die Krähe
fortgeogen war, einfach still da, schaute zur Platanen-
krone hoch, in den Himmel, wo ein paar Mauersegler
hin und her itzten, und gab keinen Mucks von sich.
Die Frau war inzwischen bei ihm angelangt, nahm die
Leine wieder hoch und besänftigte ihn. Nein, eigent-
lich sagte sie etwas zum Hund, etwas Kurzes, vielleicht
eine Frage, und schaute ihn dann an. Ich war zu weit
entfernt, als dass ich ihren Gesichtsausdruck hätte se-
hen können. Aber ich weiss noch, dass ich mich gefragt
habe, was sie dem Hund sagte.
Tage später im Gartencafé, nachdem der Hund meine
Tasse umgestossen hatte, um der Taube hinterherzu-
jagen, sagte die Frau, das habe sie ihm nicht abgewöh-
nen können, das mit den Vögeln. Sie bestellte mir einen
neuen Kaee, entschuldigte sich und vergewisserte sich,
ob nichts auf meine Hose oder mein Hemd gespritzt
war.
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Sie wollte sich schon verabschieden, als ich sie un-
terbrach: »Sie kommen oft hierher, nicht wahr?« Sie
sah mich an, und da bemerkte ich ihre Augen zum
ersten Mal. »Ich habe meine Werkstatt hier, gleich da
drüben, deshalb«, beeilte ich mich hinzuzufügen. Sie
blickte unschlüssig zu mir. Schliesslich schaute sie zum
Hund. Dieser sah der Taube hinterher, wie sie über die
Dächer verschwand. »Er mag es hier«, sagte sie knapp.
Ich nickte. Ich wusste nicht, was ich noch erwidern
konnte, ich wollte nicht aufdringlich sein. Ich nahm ei-
nen Schluck Kaee und meinte: »Danke, das wäre nicht
nötig gewesen.« Was sollte ich sonst sagen? Sie ebenfalls
auf eine Tasse einzuladen schien mir unpassend und
eben, aufdringlich.
Der Hund winselte leise. Sie sah zu ihm hinunter, sagte:
»Oui, mon petit marron«, und sah wieder hoch. Sprach
sie französisch mit dem Hund? Ich weiss noch, wie ich
mir wünschte, ein Gespräch mit ihr anzufangen, aber
einfach nicht wusste, wie. Ich wollte wissen, wer sie war,
ob sie Französin war oder Westschweizerin. Ich mag die
Sprache, ich freue mich immer, wenn ich Gelegenheit
habe, sie zu sprechen, obwohl ich sie mehr schlecht als
recht beherrsche. Ich hatte einen Teil der Lehre bei ei-
nem Geigenbauer im französischen Jura gemacht, Mon-
sieur Martin hiess er. Luthier Martin. Es geel mir, dass
wir auf Französisch Lauten bauen, keine Geigen. Die
Antwort, die sie mir gab, als ich endlich dazu kam, sie
zu fragen, war einfach und schön. Französisch sei ihre
Lieblingssprache. Sie hatte sie, wie ich auch, in der
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Schule gelernt. Natürlich war das nicht alles, wie ich
später erfuhr. Sie hatte romanische Sprachen studiert
und übersetzte aus dem Französischen.
Damals, nach dieser ersten Begegnung, zerbrach ich mir
den Kopf, was ich anderes hätte sagen können, ob ich sie
hätte duzen sollen. Ich schätzte sie etwa gleich alt, viel-
leicht ein paar Jahre älter als ich. Mit Mitte dreissig duzt
man sich doch. Nachdem so etwas passiert ist, sowieso.
Aber ich mache das, ich sieze erwachsene Leute, das ma-
che ich immer so. Es ist eine von Vaters Eigenschaften,
die ich früher bewunderte. Er siezte alle seine Kundin-
nen und Kunden, sogar Kinder und Jugendliche. Er
sprach mit allen gleich, erklärte höflich, wie es um das
jeweilige Instrument stehe, was er zu tun gedenke und
ob das in Ordnung sei. Die Kinder und Jugendlichen
kicherten vielleicht kurz, aber dann streckten sie die Rü-
cken, sprachen leise und höflich, und ich stellte mir vor,
wir seien in einem englischen Herrenhaus, Ende des
neunzehnten Jahrhunderts, wo wir die Instrumente der
jungen Lords und Ladys reparieren sollten. Es geel mir.
Erst viel später sah ich darin nur noch ein unterwürges
Buckeln vor den Kundinnen, den Kunden, vor Mutter,
vor mir. Vor sich selbst. Wahrscheinlich am meisten vor
sich selbst. Ich habe mich lange gefragt, warum Mut-
ter ihn nicht einfach hinausgeworfen hatte, dann hätte
er zu sich stehen müssen, und auch sie hätte sich noch
einmal neu einrichten können. Sie war nicht abhängig
von ihm, von seinem Einkommen, sie war Lehrerin und
Heilpädagogin. Sie hätte ohne weiteres ihr Pensum auf-
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stocken können. Aber sie haben beide geschwiegen. Sie
haben so getan, als ob das etwas wäre, was vorbeigeht
wie eine Grippe.
Aber zurück zu der Frau. Alles Grübeln darüber, was
ich ihr hätte sagen können, half nicht. Im Gegenteil, es
lenkte mich beim Arbeiten ab. Wenn ich bei einer Brat-
sche den Steg platzierte, einen Wirbel einpasste, stellte
ich mir mögliche Unterhaltungen mit ihr vor, hielt bei
der Arbeit inne oder feilte zu viel von einem Wirbel ab.
Als ich dann einmal den Leim vom Tisch stiess, fasste
ich den Entschluss, sie beim nächsten Mal nach ihrem
Namen zu fragen, mich selbst vorzustellen und sie zu
einer Tasse Kaee einzuladen. Ganz normal. Und das
tat ich dann auch.
Die Frau kam mehrmals die Woche in den Park, am
Wochenende kam sie nie. Es waren nicht immer die
gleichen Tage, meistens aber war sie dienstags und don-
nerstags da. Also ging ich an diesen Tagen nachmittags
um halb vier ins Café und trank etwas. Ich musste nicht
lange warten. Sie kam schon beim zweiten Mal. Es war
ein Donnerstag. Inzwischen war es Frühling geworden,
die Frau trug immer noch den dunkelgrünen Mantel.
Es war keine Wolle, wie ich jetzt bemerkte, er war aus
Sto, trotzdem, er schien mir denitiv zu warm. Ich
winkte ihr zu, als sie neben einer Bank stehen blieb und
in meine Richtung sah.
Ich stand auf, ging ein paar Schritte auf sie zu und
sagte: »Guten Tag. Ich dachte, ich wage es wieder. Auch
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wenn heute nicht gerade wenige Vögel herumiegen.«
Oje, eigentlich wollte ich mich doch vorstellen, sie nach
ihrem Namen fragen und sie dann zu einem Kaee ein-
laden.
Sie grinste schief und sagte: »Ja, ganz ungefährlich ist
es nicht.«
»Ich bin übrigens Simon.«
»Nina.«
»Und der kleine Vogeljäger, wie heisst der?«, fragte
ich.
»Er hat keinen Namen. Er ist eigentlich schüchtern.«
Sie sprach leise und eher zum Hund gewandt, der sich
zwischen uns gesetzt hatte und abwechselnd Nina und
mich anschaute.
»Ist er Franzose?«
Sie sah wieder zu mir hoch, erstaunt. »Ja, ich glaube
schon.« Sie lächelte ein bisschen. Der Hund stand auf,
wedelte mit dem Schwanz.
»Hast du Zeit für einen Kaee?« Jetzt hatte ich es ge-
schat. Ich hatte sie ganz normal gefragt.
Sie zuckte mit den Schultern und meinte: »Warum
nicht.«
Ich hatte plötzlich Lust auf Bier, blieb aber dann doch
beim Kaee. Sie bestellte einen Espresso. Die Kellnerin
meinte, sie hätten auch Chai oder Kaee mit Kurkuma.
Sie sprach mit Nina. Kurkuma habe so viele gute Eigen-
schaften, aber das brauche sie ihr ja nicht zu erklären.
Die Kellnerin lachte. »Du solltest doch eher Chai trin-
ken!« Nina sagte nichts. Die Kellnerin stutzte, wischte
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den Tisch ab und murmelte: »Ich mein ja nur«, und
ging. Nina sah auf den Tisch. Ich wollte sie eigentlich
fragen, seit wann sie in diesem Quartier lebe oder ob sie
nur mit dem Hund hierherkomme, liess es aber bleiben.
Wir warteten schweigend auf die Getränke.
»Hat er mal einen Vogel gefangen?«, fragte ich, als
Kaee und Espresso auf dem Tisch waren.
»Nein, nie«, antwortete sie. Sie sah zum Hund hin-
unter. »Ich weiss auch nicht, warum er das macht.«
Wir sprachen noch eine Weile über den Hund und
die Vögel.
»Wohnst du hier in der Gegend?«, fragte ich sie
schliesslich.
»Nein, ich wohne am Hang, auf der anderen Seite.«
Das war eine etwas vage Beschreibung. Wahrschein-
lich meinte sie auf der anderen Seite des Flusses, Hänge
gab es mehr als einen in dieser Stadt.
»Aber seitdem ich diesen Park gefunden habe,
komme ich hierher, wenn ich kann. Ihm gefällt es hier
Sie wies mit dem Kinn zum Hund.
Sie formulierte oft vage, wenn sie zu sprechen begann,
als ob sie sich erst wieder daran gewöhnen müsse, Infor-
mationen in Worte zu packen und sie sinnvoll anein-
anderzureihen. Zuweilen gab sie seltsame Antworten.
Aber das el mir erst mit der Zeit auf. Bei jener zweiten
Begegnung, jenem ersten gemeinsamen Kaee, war ich
nervös und unsicher. Ich wusste, dass mich diese Frau
interessierte, ich wollte etwas über sie erfahren. Aber sie
sollte es mir erzählen, einfach weil sie es mir erzählen

Gianna Olinda Cadonau
Am Kantenhain

Erzählungen

Hardcover
ISBN 978-3-03925-053-0
Seiten 133
Erschienen 13. März 2026
€ 25.00 / Fr. 25.00

Ninas kleiner Hund hat eine Aversion gegen Vögel. Sonst hätte Simon Nina nicht auf einen Kaffee einladen können, und sie hätten nie erfahren, was sie verbindet.
Tim zählt. Gullydeckel, Parkuhren, Briefkästen. Auf dem Weg von der Schule nach Hause darf er keine verpassen. Aber eines Tages ist da diese grosse Dogge, und alles gerät ausser Kontrolle.
Die kleine Dina heisst eigentlich Devi. Ihr Vater, den sie nicht gekannt hat, gab ihr diesen Namen. Ihre Oma hatte jedoch beschlossen, dass Dina besser zu verstehen sei. Sie ist trotzdem anders als alle anderen, denn ihre Haut ist braun.
Die Schülerin Anju flüchtet sich gern in den Wald. Endlich befreit von den Blicken und Worten ihrer Familie, entdeckt sie einen geheimen Ort ganz für sich allein.
Und am Kantenhain sorgt eine kleine schwarze Katze für Aufregung.

Gianna Olinda Cadonau erzählt vom Fremden, vom Anderssein, von der Suche nach Zugehörigkeit, von Freundschaft, Rätseln und Wundern. Zwischen den Zeilen ihrer atmosphärisch dichten, kunstvollen Geschichten liegt eine suggestive Sogwirkung. Behutsam und subtil beleuchtet sie in ihrer poetischen, klaren Sprache die Beziehungen ihrer Figuren, und so gelingt es ihr, mit grossem Einfühlungsvermögen Unaussprechbares sichtbar zu machen.


Pressestimmen

Mit feinen Fäden webt die Autorin ein Beziehungsnetz zwischen den Menschen am Kantenhain, bis niemand mehr allein am Rand steht. Wie ein Buch im Buch wirkt das, als ob auch die oft losen Fäden aus den anderen Geschichten zu einem grösseren Ganzen verknüpft würden. So steht zwischen Utopie und Wirklichkeit am Schluss die Hoffnung.
— Tina Uhlmann, Keystone-SDA
Eine Sammlung bezaubernder Geschichten. Die junge Autorin … überzeugt durch eine atmosphärische Dichte, die man so nur von den Grossen des Kurzgeschichtenfachs kennt. Höchst erstaunlich!
— SRF-Bestenliste Mai 2026
Cadonaus Geschichten über Menschen am Rande gehen unter die Haut, lassen aber auch Raum für leise Neuanfänge.
— Monika Räz, Biblioteca Engiadinaisa
Skurril und surreal, schmerzlich und voller Brutalität, hoffnungsvoll und bergend – diese Stimmungen sind es, die den Geschichten in lakonischem und distanziertem Stil eine Tiefenschärfe verleihen. … Eine beeindruckende Sammlung kleiner Erzählungen, die gesellschaftliche Missstände wie Rassismus, Ausgrenzung, Gewalt, aber auch Zuwendung und Geborgenheit spiegeln.
— Gabriele Fachinger, ekz.bibliotheksservice

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